Von Annaba nach Tabarka

Donnerstag, 28.06.   Erneut beginnen wir mit den Vorbereitungen für die Fahrt. Kurt geht zum Zoll, legt einen Zettel vor, die gleichen hat er für die Polizei und die Hafenbehörde vorbereitet, aber niemand will einen Stempel darauf machen, da es sonst ein amtliches Dokument sei, auch unterschreiben wollen sie nicht. Kurt bleibt aber penetrant, damit sie ihn, bei allfälligen weiteren Schwierigkeiten in Erinnerung haben. Alles klar und ein Funkspruch an die Portcontrol. Diese sagt, Warten. Dann fährt die Hafenbehörde vor und auch die Küstenwache erscheint. Der Mann der Küstenwache erklärt etwas forsch, er müsse noch eine Schlusskontrolle machen. Wir erklären ihm, dass wir weder in die Stadt noch sonst wohin konnten, somit also an unserem Inventar nichts verändert habe. Diese Bemerkung unsererseits, wie auch der Augenkontakt, liessen den Offizier der Küstenwache, nicht ganz kalt. Jedenfalls meint er, er vertraue uns und verzichte auf die Kontrolle. Jetzt kommt die Bewilligung zur Ausfahrt. Das Meer ist etwas bewegt, aber es geht und je länger wir fahren, desto kleiner werden die Wellen, bis auf einige, die immer wieder giftig hoch sind. Dann an der Grenze zu Tunesien werden wir von der Gard National abgefangen. 2 Mann stehen draussen, einer mit Sturmgewehr. Nach der Befragung verschwindet das Gewehr im Innern des Schiffes. Sie kontrollieren nichts, aber geben uns Weisungen. Wir sind folgsam und melden uns im Hafen an. Ein Schlauchboot der Gard National rauscht auf uns zu und fragen nach dem woher und wohin. Auch da geben wir freundlich Auskunft. Dann erhalten wir die Bewilligung zur Einfahrt in den Hafen. Juhui, unser „alter“ Platz ist noch frei und wir legen diesmal auf Backbord an, damit wir das Stromkabel nicht verlängern müssen. Das Einklarieren hier ist mit viel Papier verbunden, aber alle sind sehr nett und es geht speditiv. Dann zum Zoll. Von da kommt Mann, zusammen mit dem Polizisten, der uns hier empfangen hat aufs Schiff. Die Kontrolle wird von der Polizei durchgeführt, der Mann vom Zoll gibt aber Anweisung, nur eine ganz, ganz kleine Kontrolle zu machen. Dem wird Folge geleistet. Dann sind sie wieder weg. Zuerst wird das Logbuch vervollständigt, dann gibt es erst mal einen Anlegetrunk. Es folgt die Homepageaktualisierung. Die Grossreinigung verschieben wir auf Morgen. Gekocht wird heute auch nicht und so gibt es einen hoffentlich entschädigenden Abend für unser Algerienabenteuer.

Nachträgliche Gedanken zu Algerien: Wir raten allen ab, ohne Visa nach Algerien zu reisen. Es sei denn, man will nur in den Häfen anlegen und möglichst schnell weiter kommen. Man halte sich pingelig genau an die Vorschriften, die aber durchaus abweichend sein können. Ohne Visa ist man auf Gedeih und Verderben der Behördenwillkür ausgeliefert. Der Staat ist unbeweglich, auch im Hafen haben sie gestöhnt, es sei auch für sie unverständlich, dass man Schiffreisenden (auch Gross-Schifffahrt)  keine Visa erteilen könne. In Annaba kommen täglich ca. 2 grosse Schiffe mit Mannschaft an. Für das Visa könne man Geld verlangen und die würden auch etwas kaufen in der Stadt. Nur, wir als Gäste können das nicht ändern. Es ist an den Algeriern  selbst, dies zu ändern. Wir wollen auch die Leute nicht schlecht machen, wir wissen sie tun auch nur ihren Dienst. Natürlich gibt es hier, wie vielerorts, Menschen die in Uniform stecken und dies dem Gegenüber demonstrieren wollen.

Fahrt von Tabarka nach Annaba und viele Erlebnisse

Montag, 25.06.   Um 06 Uhr geht der Wecker. Nach dem Frühstück nochmals Wetterprognosen konsultieren. Vorhersage: leicht bewölkt, Wind 11 km bis 14 Uhr aus West-Süd-West, dann langsam auffrischend auf 20 km, Wellen aus 335 Grad, maximal 40 cm. Super Voraussetzungen! Dann Stromkabel einziehen, der Hafenchef demontiert die Verlängerung und Kurt marschiert zur Hafenpolizei, dann zum Zoll und wird per Polizeiauto zum Schiff gefahren. Nach einem kurzen Augenschein der Zollbehörde bekommen wir das OK zum ausfahren. Die Backbordbatterie macht wieder Probleme, doch  nach 15 Minuten können wir starten. Kaum sind wir um die Insel, zieht der Wind an und die Wellen werden grösser. Der Wind dreht auf Nord. Wir fahren mit Kurs 270 und haben die Wellen quer. Nach 45 Minuten werden wir per Funk von der Gard National aufgerufen und nach Kurs, Flagge, Ziel, Anzahl Personen etc, befragt. 30 Minuten später das Gleiche von der Küstenwache und nochmals 20 Minuten später mit den gleichen Fragen von der Grenzpolizei. Ob die nicht begreifen können, dass jemand freiwillig nach Algerien fährt!! Kurz nach der Grenze wird die Fahrt ungemütlich. Die 40 cm Wellen lassen die Schiffsglocke läuten und sie spritzen hoch bis auf die Fly. Nach 8,5 Stunden versucht Kurt sich auf Kanal 16 bei der  Hafenbehörde und der Poliz zu melden, das Gleiche nochmals auf Kanal 9. Etwas später nochmals auf Kanal 16, aber, keine Antwort. Wir fahren langsam in den Hafen ein und gehen Richtung eingezeichneter Liegeplätze für Yachten. Die Militärstation winkt uns zu sich und wir machen dort fest. Der Offizier versucht den Hafen zu erreichen. Also auf englisch geht nichts, aber auf arabisch kommt die Antwort sofort. Wir sind zu gross und müssen in den Handelshafen. Ein kleines Schiff der Portcontrol holt uns ab und bringt uns zu einer Anlegestelle. An der Pier warten bereits 3 Uniformierte und sind beim Anlegen behilflich. Aber damit ist die Höflichkeit erschöpft. Alle Papiere vorlegen, Visa zu bekommen ist unmöglich. Dann folgt die Schiffskontrolle. Ohne Handschuhe öffnen sie alle Schubladen und Schränke, nuschen da und dort. Sie kontrollieren Feuerlöscher und Sicherheitseinrichtungen, Schwimmwesten und Hausapotheke etc. Dann kurz bevor sie fertig sind, „schnorren“ sie uns eine Falsche Wein. Niemand kommt von Tunesien und hat keinen tunesischen Wein. Hätte man nichts gegeben, wäre die Kontrolle wohl in alle Ewigkeit gegangen. Sie ziehen mit ihrer Trophäe (Flasche Wein) ab und erklären, dass der Zoll noch kommen werde.  Der Zöllner, ein flotter Typ, hört sich unsere Porbleme an, macht uns aber keine Hoffnung auf ein Visa. Er will aber versuchen, dass wir zu einer Prepaidkarte kommen. Er werde die Polizei informieren, so dass ein Polizist mit uns in die Stadt  kommt, um die Karten zu kaufen. Wir dürfen ohne Visa den Hafen nicht verlassen. 3 Polizisten kommen anschliessend zu uns, aber auch sie haben keine Lösung, wollen aber helfen. Als dann alle vom Schiff sind, wollen wir die Madness vom Salzwasser befreien. Der Hahn, resp. die Kupplung ist defekt und der Wasserdruck entspricht einem „Prostatiker“. Reinigung unmöglich!! Strom gibt es auch nicht. Trotzdem wir ziemlich frustriert sind, geniessen wir unser kaltes Nachtessen. Um 21 Uhr klopft es an das Schiff und eine berndeutsche Stimme begrüsst uns. Er mache Geschäfte hier und habe in Bern ein kleines Budeli. Seine Schwester sei hier mit einem General verheiratet und darum sei vieles möglich. Er komme morgen zwischen 9 und 10 vorbei. Es glimmt ein Hoffnungsschimmer. Um 22 Uhr gehen wir ziemlich geschafft schlafen.

 

 

Dienstag, 26.06.   Die Nacht war ruhig. Gestern haben wir noch beschlossen, 2’000 Liter Diesel zu bunkern. Um Geld zu tauschen, müssen wir vom Zoll eine Bewilligung haben. Um 08.45 Uhr geht Kurt zum Zoll, um zu erfahren, was der Liter Diesel kostet, damit wir den entsprechenden Betrag umtauschen können. Er wird vertröstet, der Chef kommt erst in 30 Minuten. Nach 45 Minuten geht Kurt erneut zum Zoll. Der Chef ist gerade gekommen und zieht die Uniform an. Er will sich der Sache annehmen, habe aber vorher noch Erledigungen zu tätigen. Nach 1,5 Stunden warten, ist bei Kurt der „Nuggi“ draussen und er geht zur Portcontrol. Viele gute Worte, aber nichts was ihn weiter bringt. Keine klare Antwort in Sachen Diesel. Wir haben genug bis Algier und damit verzichten wir auf den Diesel und wollen nur 100 Euro wechseln, damit wir endlich die Prepaidkarte kaufen können und ev. frische Früchte. Das ist kein Problem, ausser, dass das Formular nur im Beisein eines Polizisten ausgefüllt werden darf. Also geht Kurt zur Polizei. Dort stellt der zuständige Beamte sich ein Formular aus, das sein Chef signiert und damit darf er Kurt zum Zoll begleiten. Nach dem der Zoll ein ebensolches Formular ausgefüllt hat, gehts zur Bank, wo Kurt 100 Euro abgibt und dann 5 Minuten absitzen darf. Er bekommt den Gegenwert in algerischen Dinar ausbezahlt. Es sind ca. 13’000 Dinar. Er erhält ein Formular, womit der Wechsel bestätigt wird und dieses muss er beim Zoll abgeben. Dann gehts zum Kauf der Prepaid Karten, aber oha, ohne Visum, keine Prepaidkarte. WARUM TUN WIR UNS DAS AN????? Ach ja, der Berner ist auch nicht gekommen (er hat algerische Wurzeln…….). Wir beschliessen, in 3 Schritten bis Algier zu fahren. Dort kann es ja nur besser sein. Morgen wollen wir bis Skikda fahren, 57 Seemeilen. Der Zoll gibt uns das OK. und die Polizei will dass Kurt vorher noch bei ihnen vorbeikommt. Ohne Internet ist die Wettervorhersage jedoch schwierig.  Auf der Med Surveyer, dem Schiff hinter uns, hat es einen sehr netten Chef, der Kurt gestattet, seinen Funkraum mit Internet zu nutzen. Merke, die Küstenwache ist für die Sicherheit verantwortlich. Ob die Apotheke vorhanden ist oder nicht, aber die erste Sicherheit ist und bleibt die Wettervorhersage und ohne Internet ist dies nicht möglich. Dies wird leider hier verhindert.

 

 

Mittwoch, 27.06.   Nach dem Frühstück geht Kurt zur Polizei um uns abzumelden. Ein junger Polizist steht draussen, der sich unser Vorhaben anhört und sagt Moment, verschwindet im Büro und kommt nach 2 Minuten zurück, zeigt mit dem Daumen nach oben und sagt, bon voyage. Zurück auf dem Schiff, funkt Kurt 4 mal die Portcontrol an und meldet unsere Ausfahrt. Keine Antwort. Dann fahren wir aus, ein kleines Schiff der Portcontrol begleitet uns ein Stück und wünscht gute Fahrt. Ein Frachtschiff versucht ebenfalls über Funk die Portcontrol zu erreichen, ebenfalls ohne Chance. Ausserhalb haben herrscht viel Dünung und etwas Wind. Nach einer Stunde ruft uns die Küstenwache auf um nach Kurs, Flagge, Personen etc. zu fragen. Freundlich wie immer geben wir Auskunft. Dann nach 2 Stunden ruft uns die Küstenwache erneut auf, aber mit dem klaren Befehl, umzukehren und zurück nach Annaba zu fahren. Keine Angabe des Grundes. Folgsam machen wir das. Wir funken wieder die Portcontrol an, ob wir an dem selben Ort anlegen können. Dies 2x, ohne Antwort, also fahren wir dorthin. Ein Pilotboot signalisiert uns, dass wir weiter nach hinten fahren müssen. 2 Leute der Küstenwache warten auf uns und helfen beim Anlegen. Dann unsere Frage: Warum? Antwort: Sie haben sich nicht korrekt verhalten. Was genau? Antwort: Die Polizei und der Zoll waren nicht auf dem Schiff und die Portcontrol wusste nichts von der Abfahrt. Jetzt steigt Puls und Blutdruck auf über 200 und dies spiegelt sich auf Kurts Gesicht, was von der Küstenwache registriert wird. Von der Polizei und dem Zoll hatten wir die Freigabe und wenn die Portcontrol schläft, ist das nicht unsere Sache und für das holt ihr uns nach 2 Stunden zurück. Kurt schreibt einen Seeprotest. Jetzt wird`s amtlich, denn Funkaufrufe werden registriert und die Polizei bestätigt unsere Angaben. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Sie haben ein Problem nicht wir. Kurt fragt noch, wer die  100 Liter Diesel bezahlt, die wir unkorrekterweise verfahren mussten. Nun beginnt die gegenseitige Schuldzuweisung, aber den Seeprotest können sie nicht umgehen. Alle bemühen sich. Sogar der oberste Chef vom Zoll und der Hafenchef kommen vorbei. Also jetzt wollen wir Algerien etwas schröpfen. Wir möchten 2’500 Liter Diesel tanken. Das wird uns hoch und heilig versprochen, die Küstenwache sagt, wir organisieren das mit dem Zoll. Und ach ja, wir müssen noch etwas weiter nach vorn fahren, da Manöver mit grösseren Schiffen geplant sind. Dann verschwinden sie. Wer hilft uns bei dem Manöver? Verena beginnt verständlicherweise im Roten zu drehen. Zum Glück helfen uns die Matrosen vom Nachbarschiff. Um 13 Uhr ist immer noch nichts geschehen in Sachen Diesel. Jetzt legt Kurt noch einen Zack zu. Man versucht zu vertrösten und ordert einen Mann von der Ölgesellschaft dazu. Jetzt wird`s noch schwieriger, denn der sagt klar, man kann auch in Euro bezahlen. Es entspannt sich ein Streit zwischen Zoll und Ölmann. Zudem müsse man nicht in den kleinen Hafen fahren, bei dieser Menge komme ein Tankwagen. Bei dieser Gelegenheit ordern wir noch 1’500 Liter Wasser. Auch das wird zum Schiff gebracht, so heisst es. Wenn das klappt, so fahren wir direkt nach Sardinien. Aber, nach 1,5 Stunden kommt die Meldung, der Diesel kann erst morgen ca. 13. Uhr und nur 1’000 Liter geliefert werden und Wasser???? Der Zoll überbringt diese Nachricht, begleitet von zwei Männern der staatlichen Ölfirma. Sie erklären uns den Grund für die spätere Lieferung. Die zu bezahlenden Euro müssen auf die Bank, und werden dort auf Echtheit geprüft. Danach wird der Betrag in Dinar auf das Konto der Ölfirma überwiesen und erst dann kann der Diesel geliefert werden. Jetzt ist das Mass übervoll. Wir wollen nichts mehr in Algerien. Entschluss…….morgen fahren wir zurück nach Tabarka und sehen weiter. Ein Agent nimmt sich uns noch an und kann dies und das noch für uns regeln, aber Visa, keine Chance womit der Entscheid defintiv ist. Wir fahren zurück nach Tabarka zu den uns bereits bekannten Menschen und Gepflogenheiten.

Entscheidung in Tabarca

Freitag, 22.06.   Wir haben gut geschlafen, es ist ruhig im Hafen, auch wenn es „Flanierer“ hat, sie steigen nicht aufs Schiff, wir haben Strom, super. Wir können den Tag organisieren und Entscheidungen treffen. Die Wetterprognosen für Samstag sind einfach schitter. Wellen über 1,5 Meter und dies querab, nein, das brauchen wir nicht. Wir verschieben die Weiterfahrt auf Montag. Dies bedingt jedoch, dass wir in finanzieller Hinsicht neu planen müssen. Wir dürfen kein tunesisches Geld ausführen, also heben wir genau soviel ab, wie wir nun brauchen. Kurt setzt nochmals das Ladegerät an die Motor-Batterie an, liest aber später, dass dieses Ladegerät nur für Säurebatterien geeignet ist. Im Internet sucht er nach Erklärungen. Entweder liest er die falschen Seiten, er kommt „nicht draus“. Die einen sagen so, andere eben anders. Also nach einer Stunde beendet er den Ladevorgang, in der Hoffnung, dass die Batterie keinen Schaden genommen hat. Dann geht es an die Schiffsreininigung. Weit müssen wir laufen, bis zum Wasseranschluss, das unser Nachbar für sich „beansprucht“. Aber ein klärendes Gespräch erledigt alles und wir beginnen mit der Aussenreinigung. Der Grund, warum vom Wasser bunkern in Tunesien abgeraten wird ist klar. Das Wasser riecht nach Chlor.  Nach dem Genuss einer feinen Honigmelone gehen wir in die Stadt um einzukaufen. Bei Monoprix finden wir viel, aber nicht alles. Brot, Gemüse und Früchte gibts nicht. Finden wir sehr positiv, dafür hat`s genügend Marktstände. Nachdem wir die Einkäufe verstaut haben, spazieren wir auf der Strandprommenade, bestaunen eine Baukonstruktion, wo die Decken mit Backsteinen ausstaffiert sind. Wir denken, etwas unstabil und überlegen uns die Arbeitsweise, doch  wir sind keine Baufachleute.

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Zurück auf dem Schiff, werden als erstes Türen und Fenster geöffnet, denn es ist warm geworden. Seit wir Italien verlassen haben, wird die Madness immer abgeschlossen. Während der Fahrt gestern benötigte Kurt noch eine Jacke. Vielleicht kommt der Sommer doch, mit all den angekündigten guten Wetterlagen. Das Nachtessen hat uns geschmeckt und wir geniessen, mit einem guten „Hopp Schwiiz“ den Abend.

 

 

Samstag, 23.06.  Heute  nehmen wir zum ersten Mal das Frühstück auf der Fly ein. Wir sehen uns an und fragen uns, weshalb sind wir nicht heute gefahren? Kein Wind! Verena möchte mal Richtung Burg laufen. Da sehen wir die Wellen, auch ohne Wind. Im Bereich, wie angesagt, 1,3 Meter. Wären wir gefahren, hätten wir sie  quer gehabt.  Der Aufstieg zur Burg ist steil, aber wir freuen uns etwas Bewegung zu haben und der Ausblick von der Burg, hat uns entschädigt.

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Gemütlich geht es zurück. Nach dem Früchte-Menue legt sich Kurt für eine Stunde hin, dieweil Verena auf der Fly liest und sich hin und wieder mit Passanten,unterhält, die spontan zu unserem Schiff kommen. Am Nachmittag spazieren wir zum alten Hafen und weiter bis zum neuen, sich noch im Bau befindenden Amphitheater. Unterwegs bewundern wir die beeindruckenden Felsformationen.

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Wieder auf der Madness kommt der Hafenkapitän, der sich täglich nach unserem Befinden erkundigt. Kurt möchte heute bezahlen. Wir haben zwar schon vorgesorgt, aber um ganz sicher zu sein, ist die heutige Bezahlung besser. Bei der Ankunft hat Kurt gefragt, mit wieviel wir rechnen müssten. Die Antwort lautet, ca. 150 Dinar, je nach Länge, Breite, Tiefe und Gewicht. Also haben wir auf der Bank noch etwas Dinar geholt. Dann erfolgt die Abrechnung. Zuerst ist da noch jemand von der Hafenbehörde und erklärt Kurt, dass wir für die  Benutzung öffentlicher Hafen einen Betrag von 80 Dinar zu bezahlen hätten, aber das sei dann für das ganze Jahr und für jeden Hafen. (neue Rechnung, es sollte reichen) Dann kommt die Tagespauschale. Mit Erstaunen stellt Kurt, gemäss Anschlag fest, dass Ankunftstag und Abreisetag voll berechnet werden. Normal wird pro Nacht verrechnet, sofern man nicht vor 12 Uhr Mittags eintrifft. Dazu kommt Strom- und Wasserverbrauch. Bravo, also 5 Tage, könnte  mit dem Geld knapp werden. Dann die völlige Überraschung. Wir bezahlen für „Alles“ 200 Dinar. Da gibt Kurt noch 20 drauf und wir sind glücklich. Da wir jetzt zuviel Dinar haben, beschliessen wir sofort: Heute wird auswärts gegessen und nicht „geschmürzelt“. Im 3. Restaurant lassen wir uns nieder und speisen sehr gut. Warum erst im Dritten? Das Erste hatte nur das Tagesmenue im Angebot und das Zweite schenkt keinen Wein aus. Nach einem Verdauungsmarsch geht es zurück um die Homepage zu aktualisieren. Wir hatten heute einen rundum ausgezeichneten Tag. Im Hafen ist Hochbetrieb, die Restaurants sind jetzt alle besetzt und die Menschen flanieren hin und her.

 

 

Sonntag, 24.06.  In dieser Nacht war es etwas laut. Kein Wunder bei den vielen Menschen die sich hier tummelten. Wir haben noch einige Einkäufe zu tätigen. Was immer auch in Algerien ist, wir möchten nicht „hungern“ müssen. Es kann auch sein, dass wir einen eventuell längeren Unterbruch mit der Homepage haben, da wir zuerst das Visum erhalten müssen,  was wir natürlich sehr hoffen. Erst dann dürfen wir das Land betreten, also vom Schiff gehen und uns algerische Prepaidkarten kaufen. Davor benötigen wir aber noch algerisches Geld. Es kommt eine spannende Zeit auf uns zu. Aber, wie immer, Wir sind zuversichtlich. Am Nachmittag gehts noch zum Broteinkauf, Verena will auch noch etwas in den Geschäften „nuschen“. Morgen ist wieder ein anderer Tag. Um 08 Uhr können wir zur Hafenpolizei, anschliessend zum Zoll, dann kommt der Zoll noch zu uns aufs Schiff und wenn sie dann alles für gut befinden, dürfen wir die Leinen losmachen.

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Wir wünschen allen Lesern/innen einen guten Start in die neue Woche und bis später aus Algerien.

Von Bizerte nach Tabarca

Donnerstag, 21.06. Sommeranfang   Um 5 Uhr ist Tagwache. Wir machen vorwärts, denn wir möchten so früh wie möglich losfahren. Nach dem Frühstück bringt Kurt noch den Abfall weg und Verena erledigt die letzten Vorbereitungen. Also Motoren starten, doch Hoppla, der Steurbordmotor springt nicht an. Die Batterie ist zu schwach. (wir verzichten hier auf unsere netten Worte) Das bedeutet, das Kabel wieder am Landstrom anschliessen und so das Ladegerät anschliessen. Punkt 07.00 Uhr klappt`s, der Motor springt an. Also Leinen los und langsame Ausfahrt aus der Marina und sukkzesive Erhöhung der Geschwindigkeit, über 7,1 Knoten kommen wir aber  nicht. Wir haben 9 Stunden vorgesehen und mit dieser Geschwindigkeit kommt das hin. Um 08.30 Uhr passieren wir den nördlichsten Punkt von Afrika. 10 Minuten später werden wir von der Küstenwache mit Schiffsnamen aufgerufen. Dies bestätigt, unser AIS funktioniert. Man möchte wissen, woher wir kommen, wohin wir fahren, welche Flagge und die Nr. des Flaggenzertifikates, sowie wer an Bord ist. Kein Problem, die Leute sind korrekt und freundlich und wünschen uns eine gute Fahrt. ABER, 15 Minuten später hören wir Kanonenschüsse. Kurt, als alter Militär sucht sofort die Einschuss-Stellen an Land auf, aber gar nichts, obwohl wir nebst den Schüssen jeweils auch die Explosionen hören. Irgenwie komisch. Um 09.05 Uhr erneute Kanonenschüsse. Nun sehen wir Explosionen am Himmel funkeln und ca. 500 Meter neben uns Geschoss-Stücke ins Meer fallen. Wir überlegen ob wir uns an die Küstenwache wenden sollen, denn es war kein Seegebiet abgesperrt und die Küstenwache hat uns auch nicht zu einem andern Kurs aufgefordert. Das wäre eine Schlagzeile gewesen, tunesische Kanonen versenken Schweizer Schiff!!! 15 Minuten später wird wieder geschossen, aber da sind wir bereits aus der Schusslinie. Etwas unheimlich war die Situation schon. Später passieren wir die beiden Felseninseln „les freres“, die Brüder.

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Bei diesem „Bruder“ kann man gleich hindurch schauen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Trotz Wellen von über einem Meter (von hinten) geniessen wir eine ruhige Fahrt entlang der hügeligen, auffallend grünen Küste Tunesiens. Auf der Höhe von Cap Serat meldet sich die Küstenwache erneut, mit in Etwa den selben Fragen. (auch sie haben uns mit Madness aufgerufen, also hatten sie alle Angaben). Aber es ist nett, mit der Garde National zu sprechen. Sie sind sehr höflich und sprechen ein ausgezeichnetes englisch. 30 Minuten später kann Kurt vermelden, Delphine rechts voraus. Eine Delphinschule von ca. 10 Delphinen hat sich unser Schiff als „Spielplatz“ ausgesucht. Eine knappe Stunde begleiten sie uns. Leider haben wir Wellen über 1 Meter und die Sonne von vorn, so dass wir keine guten Fotos schiessen können. Unsere Begleiter werden immer munterer springen zum Teil ganz aus dem Wasser, drehen sich oder klatschen mit der Schwanzflosse auf, so dass es heftig spritzt. Kurz vor Tabarca ist das Schauspiel zu Ende, sie verlassen uns und wir beginnen mit den Vorbereitungen für die „Landung“. Wir können längs anlegen, wieder sehr eng und es bläst mit 6,5 Bofor. Wir liegen sicher. Das ganze Begrüssungskomitee ist vorhanden. Nationalgarde, Hafenpolizei und Hafenkapitän, es fehlt nur Zoll. Leider gibt es keinen Strom. Als Kurt nach dem Preis fragt, zieht er die Augenbrauen hoch, ein solcher Betrag ohne Strom. Der Hafenkapitän wird von der Hafenpolizei ermuntert, uns Strom zur Verfügung zu stellen. Das ist aber ein Problem, da keine der Steckdosen im ganzen Hafen funktioniert. Der Hafenkapitän bemüht sich echt, doch bezüglich Arbeitssicherheit, Installationsvorschriften etc. würden wir ein Negativ-Buch füllen, aber WIR HABEN STROM. Das Nachtessen nehmen wir heute auswärts ein und geniessen den Abend und beobachten die flanierenden Menschen im Hafen. Nebenbei lenken wir unseren Blick immer wieder mal in Richtung Fernseher, zum Spiel Argentinien – Kroatien.

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Der Blick zur Burg über Tabarca.

Zeit, dass wir weiter kommen!

Montag, 18.06.   Wir haben gut geschlafen, doch der Sturm hat wieder zugelegt. Wir sind verurteilt, hier zu bleiben, aber die Gegend bietet nicht viel. Ob die Phönizier, die diesen Ort gegründet haben, die punischen Kriege mit dem Ort verbunden sind, oder sogar die Römer das Gebiet für längere Zeit besetzt haben, wird langsam uninteressant, wir möchten weiter. Aber, das Wetter ist gnadenlos. Wir verbringen den Morgen auf dem Schiff. Kurt liest sich nochmals in die Häfen von Algerien ein und bereitet sich auf die Fragen vor, die beim Einklarieren möglicherweise gestellt werden. Es ist echt schwierig, auch über Internet an irgend welche Informationen zu kommen. Von zwei Seglern haben wir Informationen gefunden. Der eine ist infolge eines Notfalles nach Algerien eingereist und der andere kam ebenfalls von Marokko her, infolge einer Panne nach Algerien. Die Route, die wir vorgesehen haben, ist, so meinen wir, im Internet noch nirgends dokumentiert. Wir sind in guter „Hoffnung“!!Plan B und Plan C sind vorhanden, hoffen aber, dass wir diese nicht ziehen müssen. Wir hätten keine Freude. Am Nachmittag zieht`s uns in die Stadt. Und wie es sein musste, kommen wir an nackten, gut gebräunten „Zweibeinern“ vorbei. Die haben es Kurt angetan und er kann sich nicht zurück halten. Er kauft ein gut gegrilltes Huhn, das wir mit aufs Schiff nehmen. Es ist zwar etwas trocken, was bedeutet, dass es durch ist. Wir geniessen unser Nachtessen und „gnagen“ fein säuberlich.

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Die warten auch nach dem Zuckerfest noch auf Gäste.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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In diesem Restaurant liessen wir uns das feine Nachtessen servieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 19.06.    Noch immer hat der Sturm nicht nachgelassen. Wir erwachen mit Getöse. Seit 10 Tagen sind wir hier und seit 10 Tagen haben wir Winde um die 80 kmh. So langsam beginnt es an den Nerven zu zerren. Vor unserem Einkauf gehen wir noch zum Büro der Marina. Also, die 500 Euro, die wir im letzten Jahr für die Reservation bezahlt haben, werden zu 100% angerechnet, so dass wir nur noch die Differenz zu bezahlen haben. Wir können damit erneut bestätigen, dass die Marina Bizerte korrekt handelt und in Sachen Hilfe beim Anlegen, bei der Anmeldung und bezüglich Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wirklich zu empfehlen ist. Auf dem Markt kaufen wir Früchte und Tomaten ein. Schwer beladen (eine Melone ist dabei) gehts zurück zum Schiff. Später raffen wir uns nochmals auf, um am Bankomaten Dinar zu beziehen. Die Differenz, die wir für die „Mehrtage“, sowie Strom/Wasser zu bezahlen haben, sind in Dinar gewünscht. Jetzt sollte eigentlich alles soweit vorbereitet sein, dass wir am Donnerstag weiter reisen können. Erneut gab`s zum Znacht „Gschwellti und Chäs“. S’isch halt immer wider guet.

 

 

Mittwoch, 20.06.  Heute ist der letzte Tag in Bizerte und er ist verbunden mit Wäsche, Sonnenverdeck wieder neu aufziehen und Reisevorbereitungen. Kurt informiert sich in der CH-Botschaft in Algier, wie die Einreise mit eigenem Schiff aussieht. Genau wie im Internet, niemand weiss Bescheid. Es wird aber immer wieder darauf hingewiesen, dass man ein gültiges Visum haben muss. Da wir ja den Einreisetag nie genau voraussagen konnten etc. hat sich Kurt bereits im Januar an die algerische Botschaft in Bern gewandt, allerdings nie eine Antwort erhalten. Im März hat er sich dann noch per Internet an die Botschaft gewandt, mit gleichem Erfolg. Das Schreiben der CH-Botschaft in Algier war nicht gerade erheiternd, aber es wird immer noch von einer Datenbasis 2014/2015 ausgegangen. Wir nehmen die Sache wie immer ernst, lassen uns aber vom positiven Denken nicht abbringen. Gegen 13 Uhr kommt ein Schiffsnachbar und bringt uns frische Fische, die wir zum Nachtessen verkosten sollen. Dann geht Kurt ins Marina-Büro, um den Aufenthalt zu bezahlen. Alles läuft super korrekt. Wir können die Marina Bizerte definitiv vorbehaltlos empfehlen. Die morgige Fahrt wird gute 9 Stunden dauern und die Vorhersagen sind gut. Hoffen wir, dass sie zutreffen und wir gut in der letzten Station von Tunesien, in Tabarca ankommen.

Sturmtage

Freitag, 15.06.   Der Sturm hat in der Nacht ein ganz klein wenig nachgelassen, aber nur, um gegen 10 Uhr wieder aufzuleben. Trotzdem gehen wir in die Stadt. Bevor wir den Hafen verlassen wechseln wir noch ein paar Worte mit einer Deutschen Familie. Sie sind gestern hier angekommen, haben so zu sagen einen „Sturmhalt“ gemacht. Die Familie gönnt sich eine Auszeit, hat die drei Kinder für ein Jahr von der Schule genommen und segelt nun Richtung griechische Inseln. Wir wünschen ihnen „guten Wind“ und machen uns auf den Weg zum Brotkauf. Doch  das erweist sich als nicht möglich.  Alle Läden geschlossen, lediglich Salon de Thé und Café mit Süssigkeiten haben geöffnet und der Markt mit allerhand (Plastik) Kinderspielzeug ist im Aufbau. Ein beachtlicher Anteil der Spielsachen sind Gewehre und Pistolen. Spielzeuge für eine friedlichere Welt…. Wir beschliessen, heute Abend gehen wir auswärts essen. Auch hier ist die Idee gut, die Ausführung aber unmöglich, die Restaurants sind heute geschlossen. Also das beisst sich schon einwenig, lamentieren, es habe keine Touristen, gleichzeitig während Ramadan und Zuckerfest die Einrichtungen für Touristen geschlossen halten. Langsam sinkt unser „Friede- Freude- Eierkuchen-Pegel“, denn immer noch sind die Wetteraussichten bis kommenden Mittwoch miserabel. Unsere Gedanken gehen hie und da schon etwas „tauchen“, aber dann versuchen wir uns aufzumuntern und halten durch, nach dem Motto „Wir schaffen das“!!!

 

 

Samstag, 16.06.   Wir haben gut geschlafen. Bis kurz vor 06.00 Uhr hat es nicht mehr so stark „gerumpelt und gepfiffen“, aber dann beginnt es von Neuem. Wir sehen, dass die Riesensegelyacht immer noch da ist. Kurt vermutet, dass sie erst am Abend gehen um über Nacht  zu fahren. Doch auch sie werden sicher bis Montag abwarten. Am späteren Morgen spazieren wir in die Stadt. Ein ganz anderes Bild zeigt sich uns, wesentlich mehr Geschäfte haben geöffnet, der kleine Park ist ein Rummelplatz, viele Kinder, Autoscouter, Trampoline und Reitpferde die ihre Runden drehen.

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Die kleinen Mädchen sind zum Teil wie Prinzessinen neu eingekleidet. Die Stimmung ist friedlich, die Menschen sind in Feierlaune. Wir beschliessen, heute gehen wir defintiv auswärts essen. Um 16 Uhr machen wir uns nochmals auf, um die Umgebung zu erkunden, nachdem wir erfahren haben, dass Carrefour Wein verkauft. Im Geschäft angekommen verkündet man uns, dass alkoholische Getränke erst ab morgen 12 Uhr verkauft werden. Freundlicherweise öffnen die Herren uns das Tor und zeigen uns ihr Sortiment. Kurt möchte den Sidi Salem probieren, denn der wird auch im Internet als DER WEIN VON TUNESIEN angepriesen. Die Mitarbeiter sind etwas ratlos, als wir schon beim Ausgang sind rufen sie uns, sie hätten diesen Wein im Sortiment. Also, Morgen werden wir unseren Weinkeller wieder etwas aufrüsten. Auf dem Rückweg sehen wir einige „nackte Hühner“ und beschliessen, morgen gibt es Poulet vom Grill zum Nachtesen. Um 19.45 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Restaurant und sind vom Ambiente, von der Bedienung und von der Qualität des Essens sehr positiv überrascht. Einzig die Pommes haben Minus Punkte. Aber sonst top.

 

 

Sonntag, 17.06.    Die Nacht war wiedrum ruhig und wir haben gut geschlafen. Nach dem Frühstück gehen wir den Tag gemütlich an.

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Etwas ungewöhnlich die Farbe, aber das Brot mit Kurkuma, Fenchelsamen, schwarzem Kümmel und Sesam schmeckt uns.

 

Später marschieren wir zum Carrefour, nicht zum Express, sondern zum Hauptgeschäft. Jeder „normale Bürger“ hätte wohl ein Taxi genommen, aber eben, wir sind Exoten. Das Hauptgeschäft ist kein Carrefour wie in Paris, sondern ein bescheidener Laden, mit hohen Preisen. Wir kaufen praktisch nichts ein, aber das Eingekaufte tragen wir zurück zum Schiff. Wieder ein weiter Weg, bereits etwas ausserhalb der Stadt und an übel riechenden Abfallstellen vorbei. Um so mehr geniessen wir die Mittagspause. Anschliessend laufen wir zum Carrefour Express, der im Gegensatz zum Hauptgeschäft, eben auch Wein verkauft. Also decken wir uns für die nächsten Tage ein. Vor dem Nachtessen ruft Adrian an und wir erzählen uns gegenseitig die Neuigkeiten. Das Nachtessen nehmen wir, wie eh, im Innern des Schiffes ein. Wir verzichten aber auf „Huhn“, nochmals in die Stadt wollten wir definitiv nicht. Noch nie konnten wir auf der Fly essen. Entweder zuviel Wind oder zu kalt und das am 17. Juni in Afrika. Ja das Klima ändert sich definitiv.

Bizerte

Mittwoch, 13.06.   Der Tag beginnt mit starkem Wind. Verena hat bereits am Morgen einen sturmen Kopf und so bleiben wir auf dem Schiff und verschieben die Stadtführung. Seit gestern fliegen Helikopter tief über der Stadt und wir haben an neuralgischen Punkten eine erhöhte Polizeipräsenz festgestellt. Wir „nuschen“ etwas rum, erledigen dies und das und raffen uns am Nachmittag doch noch auf, um etwas für unsere Gesundheit zu tun. Wir laufen gegen Westen, am Rohbau des Hotels vorbei, an dem seit 7 Jahren nicht mehr gearbeitet wird. Kurz dahinter sind andere Hotels, zwar fertig gebaut, aber geschlossen bis auf das grösste Hotel, Bizerte Resort. Das Hotel ist zwar auch geschlossen, aber die Bar hat offen. Oh, es hat einige, die den Ramadan nicht so ernst nehmen, ca. 30 junge Männer und eine Frau. Nachdem wir auch Platz genommen haben, sitzen ein älterer Herr und eine Frau mehr in der Bar, wo es allerdings nur Kaffee und Wasser gibt. Dafür wird geraucht, so dass wir froh sind, bald wieder an die frische Luft zu kommen. Auf Umwegen, via Markt, wo wir eine kleine Melone kaufen, laufen wir zurück.

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Die nächsten 2 Tage  soll der Sturm sehr stark sein und bevor sich das Meer beruhigen kann, ist bereits die nächste Schlechtwetterfront angesagt.

 

 

Donnerstag, 14.06.   Sturmtag! Wir lesen, dass die Aquarius, die Flüchtlinge aufgenommen hat und unterwegs nach Spanien ist, (wir haben dieses Schiff ja in Catania vor uns gehabt) sich durch 4-Meter Wellen durchkämpfen muss. Uns drückt es heftig an den Steg, doch wir sind gut abgefendert.

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Auch wenn es nicht ganz einfach war hier rein zu kommen, bei dem Sturm liegen wir hier gut und sicher.

 

Wir verzichten auf einen Spazier- oder Erkundungsgang. Bei Windgeschwindigkeiten von über 80 kmh fliegen allerlei Gegenstände durch die Luft und der Sandstaub der aufgewirbelt wird, „pudert“ alle ein. Verena schaltet einen Innen- Putztag ein und Kurt versucht die neue elektronische Seekarte in den Plotter zu installieren. Leider ergibt sich ein Problem dem Kurt nicht auf die Spur kommt. Auf dem grossen Segelschiff mit Staff erhofft sich Kurt eine Hilfe. Die kommen aber nicht mehr vom Schiff, denn der Wind hat, obwohl es eng angebunden ist, ca. 3 Meter vom Quai weg gedrückt. Hansenautic hat freundlicherweise via Mail alle Angaben zur Installation gesandt, aber Kurt kommt trotzdem nicht weiter. Dann stellt er fest, dass wir vermutlich 2 bis 3 Meilen von dem Punkt  weg sind, ab dem die neue Karte beginnt. Das ist leider nicht ganz genau ersichtlich. Es besteht aber Hoffnung. Heute, um 21.13 Uhr ist der Ramadan fertig und vom 15. bis 17. ist Zuckerfest, das ist fast wie bei uns Weihnachten. Ein Familienfest, gegenseitige Besuche, Geschenke und die Kinder werden neu eingekleidet.

Bizerte / Bizerta

Montag, 11.06.   Wir haben gut geschlafen, ohne Besuch und ohne Lärm. Wachen aber früh am Morgen auf. Kurt geht ins Marinebüro, denn wir haben ja eine Vorauszahlung für den Winter geleistet, die wir aber nicht in Anspruch genommen haben, da wir aufgrund der Motorenprobleme in Italien geblieben sind. Die Verhandlungen erweisen sich als nicht ganz einfach, doch schlussendlich kommt es zu einer Einigung. Der gestrige Bummel hat uns nicht den Eindruck vermittelt, der im Internet angespriesen wird. Also versuchen wir es heute, in der andern Richtung, zum alten Hafen und in die Souk. Wenn wir sagen „mittelprächtig“ ist das noch ein hohes Lob. In der Souk, das ist die Altstadt ist gar nichts los, keine Läden nur viele verwinkelte, von Katzen bewohnte Gassen. An einigen Orten wird renoviert, wir finden auch mal einen gepflegteren Eingang, sind aber enttäuscht, auch wenn wir eingestehen müssen, dass Renovationen in diesen engen Gassen sehr aufwendig sind.

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Danach gelangen wir auf den Markt. Unglaublich die vielen Stände. Oft liegen die Kleider in einem Durcheinander auf einem Tuch am Boden. Lebensmittel hat es nur in einer grösseren Halle. Wie immer in „Freiluftmetzgereien“ finden wir zwar auch gut ausgestelltes Fleisch, daneben aber Köpfe von Ziege- und  Schaf. Lebendes Gefieder und Kaninchen eng eingepfercht lassen den Appetit auf Fleisch vergehen. Für das Abendessen kaufen wir Gemüse und Obst ein. Dann, auf dem Rückweg zum Schiff, treffen wir auf einen Monoprix, der sehr gut aussieht. Da Kurt in den Jahren 1969/1970 in der Einkaufszentrale von Monoprix einen Stage absolviert hat, erfreut uns dieser Anblick. Allerdings gehen wir nicht hinein, das ersparen wir uns auf morgen.

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Auch schön Gepflegtes gibt es zu sehen. Der Bau wurde für die franz. Offiziere erstellt, heute logieren die algerischen Offiziere darin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück in der Marina sehen wir, dass noch zusätzliche Schiffe festgemacht haben. Den Nachmittag verbringen wir auf der Madness. Verena hat noch Näharbeiten zu erledigen und Kurt macht noch einen Gesundheits-Check. Er hat knapp 10 Kilo abgenommen, sein Blutdruck ist 125 : 72 und er fühlt sich, nach den Bauchbeschwerden wieder gut. Verenas Gewicht hat sich nur leicht  verändert und sie ist fit wie eh und je. Gegen Abend kommen 2 Tankwagen. Das grosse Schiff tankt über 100’000 Liter Diesel,  der hier zollfrei bezogen werden kann. Da sind wir mit unserem Verbrauch wieder glücklich. Unser Diesel reicht bis  Algerien und dort ist er nochmals um einiges günstiger.

Titelbild: der Kinderspielplatz beim Markt.

 

Dienstag, 12.06.    Wieder war die Nacht sehr ruhig. Kurz nach dem Frühstück bekommen wir Besuch. Wir sollten mit unserem Schiff ca. 20 Meter retour verschieben. Bravo, dann reicht unser Stromkabel nicht mehr. Kurt macht den Vorschlag, im innern des Hafens längs anzulegen. Es gibt 2 Möglichkeiten. Die eine reicht knapp nicht und die andere reicht ganz knapp. Also verholen wir unser Schiff in den Innenhafen. Jetzt liegen wir auch für die kommende Sturmzeit besser. Wir marschieren Richtung Stadt und werden ausserhalb der Marina  von einem Stadtführer angesprochen. Wir wollen heute keine Führung, lassen uns aber in eine Diskussion mit ihm ein. Zum X-ten mal hören wir, dass vor der Revolution alles viel besser und das Leben günstiger war. Er schimpft über die aktuelle Regierung, die geradezu Raubzüge auf die Einwohner mache. Beinahe täglich gebe es neue, zusätzliche Minister. Zum Beispiel Minister für Bananen, Minister für Kartoffeln, Brot etc. Trotzdem stellen wir fest, dass anscheinend immer noch genug Geld vorhanden ist. Die Stadt ist völlig überfüllt mit Autos. In den Läden wird eingekauft, altes Brot wird weg geworfen und überall Abfall. Wir gehen im Monoprix einkaufen und stellen fest, dass hier die Preise wirklich hoch sind. Kein Vergleich zum Markt. Wir hoffen, dass mit Ende des Ramadans nicht Unruhen ausbrechen. Die Unzufriedenheit erscheint uns spürbar. Den Nachmittag verbringen wir auf dem Schiff bei regen Diskussionen über die aktuelle Situation. Morgen wollen wir den Stadtführer engagieren. An ein Weiterkommen ist zur Zeit nicht zu denken, das Wetter ist uns nicht hold.

Von Sidi Bou Said nach Bizerte

Sonntag, 10.06.   In der Nacht hatten wir erneut  „Besuch“ auf dem Schiff. Kurt ist einmal mehr aufgestanden und hat Leute von unserem Zuhause  gejagt. Unangenehm, denn selbst im Schlaf ist man  mit einem Ohr aufmerksam. So sind wir beide schon auf den Beinen ehe um 05.30 Uhr der Wecker ruft.  Kurt schaut nochmals auf die Wettersituation und wir denken, es ist gut wenn wir früh weg fahren. Der letzte Gang zur Hafenpolizei  um die Unterlagen abzuholen. Dann Leinen los und dieweil Verena noch die Fender einzieht, manövriert Kurt sehr vorsichtig aus dem Hafen. Die Versandung ist schon weit fortgeschritten. Langsam erhöhen wir die Geschwindigkeit. Wind und Wellen entsprechen den Vorhersagen und wir sind gut unterwegs. Um 08.55 Uhr kommen 3 Delphine zu unserem Schiff. 2 Grosse und ein Kleinerer. Die beiden Grossen machen es sich gemütlich vor dem Bug und lassen sich von unserer Bugwelle stossen. Sie wechseln sich ab, legen sich auf den Rücken, schauen uns an und surfen wieder. Der Kleinere schwimmt immer in einem gewissen Abstand vor uns, ob die Beiden ihn nicht näher ran lassen können wir nicht feststellen. Ganze 45 Minuten bieten sie, zu unserer grossen Freude, ein Schauspiel, das wir noch nie so erlebt haben. Vor dem Cap Farina verlassen sie uns und wir steuern gegen Nordwest.

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Der Wind nimmt stetig zu, die Wellen werden höher und das Meer beginnt zu schäumen. Eine Stunde vor Bizerte können wir eindrehen und mit den Wellen laufen. Aber auch vorher, haben sie uns nicht „weh“ getan. Wie immer, über Funk meldet sich niemand, obwohl alle ein solches Gerät haben. Wir werden aber erwartet und an die Aussenmauer des Steges eingewiesen, wo wir längs anlegen können. Der Wind hat mittlerweile 65 kmh erreicht, so dass wir ganz schnell an die Mauer gedrückt werden. Im Internet sieht die Marina top aus, aber wenn man drinnen ist, ergibt sich ein eher bescheidenes Bild. Die Marina ist sauber, aber noch längst nicht fertig gebaut. Dort wo es jedoch fertig ist, ist es schön und gepflegt. Ein Schweizer, der unser Manöver beobachtet hat kommt und will mit uns reden, doch wir haben keine Zeit, zuviel ist noch im Sicherheitsbereich zu erledigen. 30 Minuten später kommt er nochmals für ein kurzes Gespräch. Er gibt uns ein Restaurant an, wo man gut isst. Wir begeben uns erst mal in die Stadt, um eine Erkundigungstour zu machen. In einem etwas weit entfernten Einkaufszentrum kaufen wir ein paar Kleinigkeiten und gehen zurück. Kurt legt sich hin. Die quasi durchwachten Nächte haben Spuren hinterlassen. Um 18.30 Uhr machen wir uns auf den Weg zum angegebenen Restaurant, „Le Grand Bleu“. Geschlossen!! Öffnet erst um 21 Uhr lautet die Antwort eines Gefragten. Kurz entschlossen kaufen wir Brot, gehen zurück aufs Schiff und nehmen wir unser „bescheidenes“ Abendessen ein. Kurt schreibt noch das Gerüst der Homepage und dann meldet er sich ab. Das Schiff schaukelt recht heftig. Wir werden morgen einen Platz im Innenhafen verlangen, denn das Wetter soll noch schlechter werden.

Letzter Tag Sidi Bou Said

Samstag, 09.06.   Die Situation hier ist nicht ganz einfach, an Tiefschlaf ist erst ab ca. 04 Uhr zu denken. Vor allem die jungen Tunesier/innen halten lange durch und sind stets heftig am Diskutieren und Kichern. Nach dem Frühstück macht sich Kurt über  die morgige Wettersituation schlau. Wenn wir beizeiten losfahren, sollte die Fahrt ohne grosse Probleme zu absolvieren sein. Wir haben keine Lust, das Schiff zu verlassen, denn es hat viele Leute, die hin und her pilgern. Verena geht der „schmutzigen Wäsche“ an den Kragen und Kurt klärt nochmals ab, wie wir uns morgen zu verhalten haben. Im Marinabüro sagt man ihm, es sei alles bezahlt, somit können wir gehen, (Quittung gibt es nicht) einfach morgen bei der Hafenpolizei noch abmelden. Um sicher zu sein, dass die 24 Stunden anwesend sind, schaut Kurt noch bei ihnen im Büro vorbei. Der Zuständige meint, wir arbeiten Tag und Nacht. Seit wir im Hafen sind  hat unserer Meinung nach nur ein einziges Schiff hier einklariert. Verena geht noch auf Sujejagd für die Homepage. Erstaunlich was diese Felsbrocken des Wellenbrecher`s für Strukturen, Farben und Formen aufweisen.

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Wir freuen uns auf die morgige Fahrt und machen uns Gedanken was wohl an Neuem auf uns wartet.