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Donnerstag, 10. September. Der Wüstenstaubsturm ist immer noch am Wirken und langsam geht es an die Nerven, ins Freie sollte man möglichst nicht gehen, und dauernd im Schiff sitzen macht kribbelig. Essen können wir auch nicht auf der Fly. Gegen Abend beschliessen wir zum Reisebüro von Royal Jordanian Airways zu gehen, um für Verena den Heimflug zu buchen. Kaum haben wir das Schiff verlassen, kommt uns der Elektriker mit dem Batterieladegerät entgegen. Aber, sie können es nicht flicken, da vieles innen verbrannt ist. Es ist ein Totalschaden. Die „netten“ Gedanken an Katanga halten wir nicht schriftlich fest. Also brauchen wir ein neues Gerät. Zudem hat dieser Falschanschluss dazu geführt, dass die 12 Volt Anlage auch defekt ging. Das haben wir erst auf der Fahrt gemerkt, als vom Funkgerät eine Warnung wegen zu hoher Spannung kam. Wir werden sehen, was zu retten ist. Yousef, so heisst der Elektriker wird mit einem Spezialisten zurück kommen und uns eine Offerte für den Ersatz unterbreiten. Wir marschieren anschliessend, mit einer Wut im Bauch, zum Reisebüro. Der Empfang war höflich, die Ticketausstellung professionell und wir staunen, 30 kg Freigepäck und ein Stück von maximal 7 kg darf in die Kabine mitgenommen werden. Verena wird definitiv am 24. Oktober von Aqaba via Amman in die Schweiz zurück fliegen. Hier muss man nur eine Stunde vor Abflug am Flughafen sein. Auf dem Rückweg geht`s noch zum „Geldspucker“ und dann ab auf`s, resp. in`s Schiff.

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Jeder Gang in die Stadt führt uns an dieser grünen Verkehrsinsel vorbei.

Freitag, 11.9. Trotzdem immer noch viel Staub in der Luft ist, wollen wir nicht zuwarten mit der Reinigung, wohlwissend, dass es sich nur um eine Zwischenreinigung handelt. Es ist grausam, wieviel Staub auf und im Schiff liegt. Dieser Wüstenstaubsturm hat ein gigantisches Ausmass und Ägypten hat die Mittelmeerhäfen und Suez geschlossen. Die Dichte des Staubs lässt auch Radar unwirksam werden oder es wird sehr stark eingeschränkt. Wir putzen den ganzen Tag. Kurt, der aussen putzt muss kurz nach Mittag pausieren, da die Hitze, insbesondere der heisse Wind unerträglich wird. Aber auch im Steuerhaus haben wir 45 Grad, gerade ideal mit der Wärme die der Dyson noch abgibt!!! Um 17.30 Uhr sind wir fertig und wollen nun die neuesten Nachrichten im Internet lesen. Bei Kurt, (unschönes Wort) schon wieder kein Internet, das heisst, wieder in den Laden, aber erst morgen. Es ist zu heiss. Verena kann noch ins Internet. Kurze Zeit später, sie will noch mit Andrea skypen,  stellt auch sie fest, kein Internet mehr. Also, wir müssen noch heute hin. Umziehen und raus in die Hitze. Auf dem Rückweg noch Fensterputzmittel, Saft und Naturjoghurt kaufen und langsam (schnell wäre schweisstreibend) zum Schiff zurück. Den Ventilator, letztes Jahr in Budapest gekauft,  haben wir in die klimatisierte Küche Richtung Steuerhaus platziert und bei der Rückkehr festgestellt, es ist merklich kühler, nur noch 35 Grad. Dennoch muss Verena zum Skypen auf die Fly, da dort der Empfang wesentlich besser ist. Die Nächte verbringen wir in „Schlaf-Schichten“ und das jedes in seiner Kabine. Diese gehen so, Klima-Anlage aus, schlafen, erwachen, zu heiss, Klima-Anlage ein auf 24 Grad eingestellt, schlafen,  erwachen, es ist kühl, Klima-Anlage aus, schlafen, vielleicht diesmal bis zum Morgen, oder eben nicht.  Die Wetteraussichten zeigen für Sonntag normale Bewölkung und für Montag Gewitter. Anschliessend soll es kühler werden. Tagestemperaturen zwischen 37 und 39 Grad und Nachttemperaturen bei 24 Grad. Wir sind gespannt!

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In diesen Beeten gedeihen die verschiedensten Kräuter, die in Schubkarren in die Stadt gebracht werden, dort meist von Männern, gezupft, etwas hergerichtet und verkauft werden.

Samstag, 12.9. Der Ventilator in der Küche, der die kühlere Luft ins Steuerhaus bläst, zeigt Erfolg. Auch am Nachmittag bleiben die Temperaturen im Steuerhaus doch knapp unter 40 Grad und mit Sonnenuntergang gehts noch etwas darunter. Staub hat es noch immer in der Luft und so bleiben wir, der Gesundheit zu Liebe weiterhin im Schiff und lesen. Am Abend geht es dann zum Telefonshop, denn für das Reservetelefon wollen wir eine SIM-Karte nur für Internet, die ist günstiger. Also beim Shop ist wieder ein neuer Mann hinter der Theke und neben ihm sitzt eine Frau mit asiatischem Einschlag. Irgend etwas stimmt nicht mit dem Telefon. Er versucht alles und wir haben den Eindruck, dass er kompetent ist. Aber, die SIM-Karte will und will nicht funktionieren. Nach einer sehr guten halben Stunde meint er, da sind alte Versionen geladen, es wird erst gehen, wenn das Telefon auf dem neuesten Stand ist. Er schliesst es an seinen PC an und meint, das dauert 25 Minuten. Wir beschliessen später wieder zu kommen und lassen ihm unser Telefon. Wir gehen zu unserem „Nüssliverkäufer“ und kaufen verschiedene Nüsse (spanische und cashew geräuchert und eine Mischung aus verschieden gewürzten Kichererbsen.) Auf seiner Theke, unter Glas sind Geldstücke aus den arabischen Ländern. Kurt hat einen Zweifränkler mitgenommen, Nun ist die Schweiz auch vertreten! Wir beschliessen in ein Restaurant zum Essen zu gehen. Resultat, Essen sehr gut Personal unfreundlich, Preise moderat. Anschliessend wieder zurück, um nach dem Telefon zu sehen. Der Shop-Chef erfreut uns mit einer günstigeren Variante, die er auch gleich installiert hat. Nun funktioniert alles. Top. Zurück auf dem Schiff stellt Kurt dann fest, dass es noch einige Knacknüsse bezüglich Telefon gibt, das liegt aber nicht am Shop sondern am Telefon selbst, da es auch sonst nur mit alten Daten aus der Geschäftszeit versehen ist. Aber, auch das werden wir noch hin bekommen.

Aqaba, Petra und Wüstenstaub 001
Auch Fische lieben Fladenbrot, auch wenn es nicht von uns kommt, trotzdem direkt neben uns!

Sonntag, 13.9. und Neumond. Es ist eine Freude, wie kühl es im Steuerhaus ist. Trotzdem beschliessen wir, wieder auf der Fly zu z’Mörgele. Es hat noch immer etwas Staub in der Luft, aber das  Butterbrot bleibt „sauber“. Verena hat Waschtag. Kurt beginnt sein Ersatztelefon aufzurüsten. Allerdings geht der persönliche Hotspot nicht, da muss er sich mit dem Anbieter in Verbindung setzen. Gegen Abend suchen wir nach dem Hauptgeschäft von UMNIAH. Beim 1. Geschäft werden wir nicht bedient, der Mann spricht kein englisch. Gestenreich erklärt er aber, wo wir einen UMNIAH Shop finden. Die Gesten waren zuwenig genau, wir haben ihn nicht gefunden. Also gehen wir zurück zum Laden, wo wir die SIM Karte gekauft haben. Der Chef ist nicht da, nur seine Frau und er kommt erst spät am Abend. Also lässt Kurt das Telefon dort und will es am kommenden Tag abholen. Wir kaufen Gemüse und Früchte ein und auf dem nach Hause Weg noch ein Grillpoulet. Der Verkäufer erkennt uns wieder und offeriert uns zwei verschiedene Reis-Spezialitäten des Hauses, die uns vom Gewürz her, das eine zu scharf, das andere eher fad, leider nicht begeistern. Hingegen bringt er für einen andern Kunden einen Teller mit gegrillten Tomaten, Pouletstücken, Zwiebeln und Peperoni, sah sehr lecker aus. Ein weiterer  Besuch beim Grilleur ist bereits geplant.  Da es mittlerweile schon dunkel ist, beschliessen wir nicht auf der Fly zu essen. Das Poulet ist wirklich hervorragend und mit dem dazu eingepackten Gemüse, Zwiebelringe, Gurken und Peperoni, liessen wir uns schmecken.

Montag, 14.9. Kein Tag wie jeder andere. Heute wurde uns wieder einmal klar vor Augen geführt, dass wir von fremden Ländern keine Ahnung haben. Wir haben beschlossen einzukaufen. Wir möchten wieder mal etwas anderen Käse kaufen. Also gehen wir zum City Mall Einkaufszentrum. Was heisst gehen, da müssen wir ein Taxi nehmen. Wir sehen eines und halten es an. Ein älterer Herr. Leider spricht er nicht englisch, aber wir können ihm deuten, dass wir zum Einkaufszentrum gefahren werden möchten. In die richtige Richtung fährt er los, biegt aber plötzlich ab, fährt verschlungene Wege und hält vor einem Einkaufszentrum Namens China Town. Er ist nicht ganz ehrlich und versucht uns abzuzocken, obwohl er nicht zum richtigen Einkaufszentrum gefahren ist. „Aber er versteht ja nichts“. Wir laufen einmal durch die grosse Ladenstrasse, alles Made in China, aber Lebensmittel finden wir leider nicht. Wir suchen nach einem andern Taxi, doch das China Town liegt etwas abseits.  Doch endlich,  ein Taxi kommt, doch da sitzt schon ein Beifahrer. Trotzdem, erhält an und wir erklären den Beiden was wir wollen. Jaja, alles ok, wir steigen ein. Der fährt noch durch viel mehr verschlungene Strassen und Strässchen und hält an, aber nur damit der Beifahrer aussteigen kann. Dann geht es weiter. Der Fahrer spricht auch fast kein englisch und er beginnt zu telefonieren und übergibt Kurt sein Telefon. Jetzt haben wir jemanden, dem wir wirklich sagen können was wir wollen. Wir vereinbaren, dass der Fahrer uns nach 2 Stunden wieder abholt und einen Preis von 10 Dinar für die Fahrt zum Einkaufszentrum und zurück. Bezahlen wollen wir aber erst bei der Rückfahrt. Das Einkaufszentrum City Mall ist ein schöner Bau, neu, aber bereits am Aussterben und Lebensmittel hat es auch hier nicht. Wir „Schweizer“ meinen halt immer noch, in einem Einkaufszentrum hat es sicher eine Migros, Coop, Volg, Denner, Aldi, Lidl, Spar (hoffentlich haben wir keinen vergessen), aber dem ist hier nicht so. Auch ein Restaurant, Imbiss oder Café suchen wir vergebens. Es werden 2 lange Stunden, wie sagt man, „wir schlagen die Zeit zu Tode“ und halten uns hauptsächlich in den Läden auf, wo es eine Klima-Anlage hat, so haben wir uns sehr eingehend mit Möbeln beschäftigt. Mehr als 5 Kunden sind uns nicht begegnet.  Pünktlich ist das Taxi vorgefahren und wir lassen uns  zurück chauffieren. Der freundliche Taxifahrer, es ist nun der Mann, der mit Kurt telefoniert hat,  gibt uns 2 Lebensmittelläden an, die gross seien und einer befindet sich relativ nahe beim Hafen. Ein Englisch sprechender Taxifahrer, pünktlich und korrekt, also tauschen wir die Natel-Nummern, denn sicher brauchen wir wieder mal ein Taxi. Dieser Tag hat uns erneut gezeigt, auch wenn wir schon lange unterwegs sind, die „Schweizer Messlatte“ haben wir noch nicht wirklich weggelegt.

Dienstag, 15.9. Also heute geht es ins Lebensmitteleinkaufszentrum, das uns der Taxichauffeur angegeben hat, das grösser und relativ  nahe am Hafen ist. Unser Einkaufswägeli wird von Kindern bestaunt, denn das sieht man in Jordanien selten bis nie. Das Einkaufszentrum ist rundum mit Eisenpfählen abgesichert, da gibt es mit dem Einkaufswagen kein Durchkommen und sie bleiben wo sie hingehören. Münzen um das Wägeli auszulösen braucht es auch nicht.

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Eigentlich eine einfache Lösung, jedoch sicher nicht überall anwendbar.

Wir treten ins Zentrum ein und sind sofort beruhigt. Ein grosses Angebot und frisches Gemüse und viele Früchte. Wie immer, beim Fleisch laufen wir vorbei und beim Käse bleiben wir stehen und suchen aus. Wir finden alles was unser Herz begehrt und können die Einkaufsliste vollständig abhaken. Im Untergeschoss befinden sich andere Abteilungen wie Haushalt, Elektronik, Sport, Camping etc. Wir brauchen davon zwar nichts, aber wir laufen trotzdem langsam durch. Nicht, dass Kurt gerne „lädele“ würde, aber es ist eine sooo angenehme Temperatur drinnen. Der Rückweg wird etwas anstrengend, denn die Trottoirs sind meist sehr hoch. Zwar hat es hie und da eine Auf- resp. Abfahrt, aber leider nicht überall. Dem Rückmarsch geben wir das Motto: Abelupfe Ufelupfe. Mittlerweile ist beinahe Ebbe (nicht nur im Geldbeutel) und so ist es nicht ganz einfach, die Einkäufe aufs Schiff zu bringen, die Gangway geht recht „stotzig“ runter. Den Nachmittag, es ist mittlerweile schon 14 Uhr, verbringen wir in aller Gemütlichkeit mit lesen auch von 20 Min und der NFZ, Sozialkontakte pflegen oder Kreuzworträtsel lösen. Nach dem Nachtessen geht es nochmals in die Stadt, Kurt muss das 2. Natel noch abholen. Tatsächlich, es ist nun möglich, dieses Natel für die Homepage zu benutzen, womit Verenas Telefon entlastet ist. Wasser, Wein, Bier und Joghurt kaufen wir wie üblich, im nächst gelegenen Geschäft.  Schwer beladen, jedenfalls das „Poschtiwägeli“ geht es aufs Schiff zurück. Diesmal bei Flut. Ein gelungener Tag.