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Aqaba 6 und Wadi Rum

Samstag, 3.10. Der Luftdruck ist sehr hoch, verbunden damit ist ein starker Wind. Nicht stürmisch, aber genau so stark, dass wir das Schiff nicht abspritzen können, denn die Nachbarschiffe würden gleich mitgewaschen. Kurt hofft auf einen langen hohen Luftdruck!! Also pflegen wir etwas unsere Mail-Kontakte. Am Nachmittag verbringt Verena 2 Stunden am und im Pool und Kurt bereitet die Rückfahrt vor. Kurse, Zeittabellen, Nothäfen etc. Die Gezeiten können im Roten Meer vernachlässigt werden. Einzig der Übergang vom Golf von Aqaba ins Rote Meer, die Strasse von Tiran hat einen stärkeren Gezeitenstrom. Nach dem Nachtessen lesen wir uns etwas in die Geschichte, die Eigenarten und die Natur von Wadi Rum ein. Ein Beduine wird uns am Montag um 12.30 Uhr in der Marina abholen.

Sonntag, 4.10. Es windet immer noch stark, also wieder nichts mit Schiff putzen. Der Herbst macht sich auch hier langsam bemerkbar. In der kommenden Woche sollen die Temperaturen auf 33 Grad sinken. Allerdings, so die langfristige Wettervorhersage, wird es auf das kommende Wochenende wieder auf 36 Grad steigen, also nur ein kurzfristigen „Kälteeinbruch“.  Den Einkauf erledigen wir am besten  morgens, denn bis 14 Uhr kommen wir problemlos vom und auf`s Schiff, danach wird`s bei Ebbe doch schon etwas schwierig, die Gangway ist dann doch recht steil. Doch so ab 19 Uhr ist alles wieder i.O. Verena ist immer noch mit grossem Eifer auf der „Gläserjagd“. In einem Laden, wo einheimisches, von Frauen hergestelltes Handwerk verkauft wird, will sich die hilfsbereite,  nette Verkäuferin noch darum bemühen. Verena bringt ihr ein Glas als Muster vorbei und die Tel. Nrn. werden ausgetauscht.

Montag, 5.10. Ein kühler Wind weht aus Nord und es ist etwas bewölkt. Nach dem Frühstück bereiten wir uns nochmals auf die Tour vor. Um 12.15 Uhr gehen wir gemütlich zum Ausgang der Marina, kaum sind wir dort, meldet sich Ahmad, sie seien in Kürze da. Kurt hat das Telefon noch nicht versorgt, sind sie schon da.

Wir verlassen Aqaba und auf der Wüstenstrasse, die immer mehr zu einer Wüstenpiste mit Fahrspuren wird, verlassen wir auch die gewohnte Zivilisation. Damit möchten wir in absolut keinem Falle sagen, dass die Beduinen keine Zivilisation haben, ganz im Gegenteil, Ihre Zivilisation hat es ermöglicht, die Wüste zu be- und erleben. Der 4×4 arbeitet sich durch Sand und Geröll, vorbei an ruhig dahinzottenden, mal da mal dort knabbernden Kamelen (Dromedar) und einer nach Futter suchenden Schafherde.

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Die Schafe drängen sich möglichst in den Schatten der Sträucher.

 

Die Konturen der Berge, die Formationen und Zerklüftungen der Sandsteinfelsen geben uns einen tiefen Einblick in die Gewalten der Natur. Die Farben wechseln. Vom Roten Gebiet, kommen wir ins schwarze und zum Schluss ins weisse Gebiet. Wüstenginster, Akazien und Lilien wechseln sich mit Öde ab. Einmal Sand in verschiedenen Faben, rot, weiss oder gelblich, dann wieder Geröll und immer wieder erstaunliche Ausblicke.

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In dieser Jahreszeit blühende Lilien zu finden ist eher selten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Im Wadi Rum kann man fahren (4×4), wandern, reiten mit Kamel, Pferd und Esel, klettern oder mit Heissluftballons dieses Weltkulturerbe erleben. Wir sind tief beeindruckt. Der Fahrer, ein ortsansässiger Beduine hält an verschiedenen Stellen um die wundervollen Ansichten zu geniessen, einmal im Schatten eines überhängenden Felsens, um einen Tee zu zelebrieren. Er hat ein gutes Versteck für sein Holz. Damit macht er Feuer und setzt den Topf mit dem mitgebrachten Wasser auf. Wir geniessen den so gebrauten, wunderbar schmeckenden Tee und bekommen dazu ein „Schoggigipfeli“, nicht unbedingt „beduinisch“, aber fein.

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Der Tee ist serviert, für uns ohne, für den Beduinen mit sehr viel Zucker.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Fast wie das Martinsloch!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Auch wenns gespenstisch aussieht, es ist unser Beduine!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Weiter geht es an verschiedenen Punkten vorbei, wo wir Fotos machen können und dann noch zu der Stelle, wo alle hingehen, um die, „von der Natur gebaute“ Brücke zu fotografieren. Hier sehen wir noch 2 andere Fahrzeuge, die auch mit je einem Touristenpaar unterwegs sind. Sonst haben wir keine Menschenseele gesehen, auf einem Gebiet von 60×100 Kilometer. Es sind nicht nur die verschiedenen Farben und Formen die uns faszinieren, es ist auch die absolute Ruhe, die uns umgibt, sowie zu erleben, wie echt begeistert der Beduine, sowie unser Reiseführer von diesem Gebiet sind. Ihre Bewunderung war echt spürbar.

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Das also die Brücke vom Wadi Rum.

Da Kurt noch einen Ritt auf der edelsten Pferderasse der Welt gewünscht hat, fahren wir weiter zu einem Beduinenort. Unterwegs werden wir angerufen und gefragt, ob Kurt reiten könne. Na ja, das war einmal und so gut wie die Prinzessin Hayatt von Jordanien nicht im entferntesten. Er weiss, wie man auf einem Pferd sitzt. Angekommen, muss er zuerst „vorreiten“, denn das Araberpferd das gesattelt ist, ist kein „Touristenpferd“. Er darf ausreiten.

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Kurt auf der edlen Araberstute nach dem bestandenen Vorreiten, von der Fotografin nur ein Schattenbild!

Ein wunderbares weisses Pferd, arabisches Vollblut mit angenehmen  weichen Gängen und einem starken Vorwärtsdrang. Wir reiten in einem Tal und gehen hoch zu einer Krete um den Sonnenuntergang zu geniessen. Allerdings hat es Wolken und die Sonne geht dahinter unter. Traumhaft. Leider verhindern diese Wolken das Farbspektakel, das sich hier bei einem normalen Sonnenuntergang ergibt. Trotzdem, wir haben einen wunderbaren Wüstentrip erlebt und sind tief beeindruckt.

Das Nachtessen geniessen wir auf der Fly und haben ganz viel Diskussionsstoff.

Dienstag, 6.10. Wir haben es lange hinaus gezögert, aber heute hat es wenig Wind, also Schiff putzen. Kurze Mittagspause und dann zur Al Rahman Mall. Milch, Fruchtsäfte, Tomaten, Bananen, Honig und Äpfel aus der Lebensmittelabteilung und 2 Frottee-Tücher aus dem unteren Stock. Um 17.30 Uhr geht Kurt noch in die Stadt um das Nachtessen einzukaufen. Er kommt nach Hause mit: 2 halben, bereits in Stücke geschnittenen und auf dem dem Holzkohlengrill gegarten Poulet, die auf einem Gemüsebett aus grünen Peperoni und rohen Zwiebelringen liegen, zugedeckt mit 2 Beduinenfladenbroten, dazu 2 x Reis, einmal scharf und einmal mild und Pommes. Das hat 8 Dinar gekostet, also ca. Fr. 11. Wir geniessen dieses feine Essen, abgesehen von den kalt gewordenen Pommes, nach dem Sonnenuntergang auf der Fly.

Mittwoch, 7.10. Beim Frühstück führen wir längere Diskussionen, was über den Winter am Schiff gemacht werden soll/muss. Da kommt schon eine grössere Liste zusammen. Wir werden uns Gedanken machen müssen, brauchen wir es, oder wollen wir es. Das Resultat wird sein, wir wollen es brauchen…….

Leider ist „unser Swimmingpool“ nicht mehr in Betrieb, schade. Trotzdem, der Nachmittag ist schnell vorbei und wir haben ja „unsere Köche“ für heute Abend eingeladen. Das Restaurant Alibaba kennen wir nur vom vorbeilaufen. Das Innere ist aber sehr schön und die Bedienung ist höflich. Mansaf haben wir bestellt und die beiden Köche essen das, wie wir auch erst zum 2. Mal. Sie sind typische Fischesser. In der Diskussion mit den Beiden halten wir fest, dass hier die Bedienung sehr höflich ist, im Gegensatz zu dem Restaurant, wo es auch Mansaf gibt und wir mal was anderes gegessen haben. Der Freund von Hassan ist in diesem Restaurant Chef de Service und er meint, dass wir nun zu diesem Restaurant gehen müssen, und den Chef informieren. Das machen wir auch und wir glauben, dass er über diese Feststellung einerseits unglücklich ist, aber andererseits auch froh, dass ihm das jemand gesagt hat. Er habe das nicht gewusst. Nun, wer aufgehört hat besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein. Zurück auf dem Schiff geniessen wir noch die milden Temperaturen auf der Fly.

Donnerstag, 8. Oktober Es hat Wolken über dem Sinai, aber die werden nicht bis zu uns kommen. Pünktlich um 09 Uhr kommt Ahmad mit einem Taxi und wir fahren zum Vogel Observatorium. Dies liegt grenznahe, doch wir haben nicht an unsere Pässe gedacht. Also müssen wir an der Kontrollstelle, zur Einfahrt in das Grenzgebiet, unsere ID’s abgeben. Nach 2 Kilometern erreichen wir das Observatorium. Nach kurzer Begrüssung und dem Bezahlen von 7 JD,  beschliesst der Kassier, dass er uns begleiten wird. Es kommen nicht viele Gäste. Wir glauben, dass wir seit Tagen die Einzigen sind. Der Kassier ist studierter Vogelkundler und er zeigt uns nebst den Vögeln noch Pflanzen und erklärt uns diese. Vorab möchten wir festhalten, dass wir nicht so viele Vögel wie erhofft gesehen haben. Hauptsächlich Zwerg- und andere Enten,

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Ein Strandläufer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Strandläufer, Bachstelzen (weisse und gelbe) Reiher und ägyptischeGänse, nebst einem Bienenfresser. Beeindruckt hat jedoch der Adler, den wir am Himmel kreisen gesehen haben. Wenige andere Vögel haben wir nicht gekannt, denn hier gehen die Vögel des eurasischen Vogelzuges durch. Vom Fuchs haben wir nur Spuren gesehen, wie auch von den kleinen Insekten, die Löcher in den Sand graben. Die Wüstenameisen sind 4-5 mal so gross wie die CH-Ameisen und eben so viel schneller.

Den Nachmittag verbringen wir mit Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen. Als Kurt zum Brotkauf geht, kommen viele Amerikaner zum Schiff Hajaman, sie haben eine Ausfahrt. Niemand grüsst und Kurt findet das gegenüber dem Marina Personal unhöflich. Das Marina Personal ist gleicher Meinung. Als Kurt zurück kommt, fragt ihn einer vom Marina Personal (wir schreiben Marina, weil „Royal Yacht Club Jordania Personal“, was richtig wäre, zu lang ist) ob er unsere Dienste in Anspruch nehmen dürfe. Er und 2 andere möchten  mit uns zum Tutti Frutti Laden??? Es stellt sich heraus, dass dies der Duty free Shop ist. Mit unseren ausländischen Pässen können wir viel günstiger einkaufen. Also werden wir am Samstag mit ihnen hingehen..

Freitag, 9.10. Nach dem Frühstück will Kurt einen Probelauf der Motoren starten. Der Backbord Motor springt sofort an, hingegen der Steuerbordmotor nicht. Vermutlich ist die Batterie leer. Es wird Zeit, dass wir das Batterieladegerät bekommen. Bei dieser Gelegenheit müssen wir dann auch die Motorbatterien aufladen. Offensichtlich werden die Motorbatterien nicht geladen. Ob aus  diesem Grunde das Licht blinkt, Kurt vermutet dies stark. Immerhin, die Batterien haben sehr lange gehalten.

Der Nachmittag wird wieder etwas heiss, denn kein Wind bewegt die Palmwedel. Ein schnelles Fischerboot fährt in den Hafen und Verena sieht, dass ein Fang vorhanden ist. Wir gehen hin und sehen uns die Fische an. Ein riesiger Grossaugenthunfisch mit gelben Zacken, ca. 1 Meter lang, ein kleinerer Fisch, vermutlich ein Bonito und ein Schwertfisch wird an Land gebracht. Ein stolzer Fang. Kurt hat sofort den Link gemacht, zum z’Nacht gibts Thonsalat.

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Fotoshooting mit dem Grossaugen-Thunfisch.
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Eindrücklich auch der Schwertfisch.