Kategorie-Archiv: Allgemein

Le Havre mit Verena

Donnerstag, 11.07.  Kurt telefoniert das letzte Mal mit Verena vor ihrer Abreise und gibt Tips. Anschliessend wird der nächste Einkauf für Mineralwasser bei Super U gestartet. Zurück auf dem Schiff ist bereits Mittag und Kurt hat einen Termin, zumindest wurde ihm mitgeteilt, dass er die gewaschene, getrocknete und zusammengefaltete  Wäsche am Nachmittag abholen könne. Doch beim ersten Versuch heisst es, erst ab 17 Uhr. Zurück aufs Schiff, lesen und nach 1,5 Stunden wieder zur Wäscherei. Alles klar. Ca. 10 Kilo Wäsche trägt Kurt zurück aufs Schiff, es sind ja nur etwa 1,8 Kilometer. Dann Umziehen, „schön machen “ (geht zwar praktisch nicht mehr) und zu Fuss zum Bahnhof. Der Zug trifft pünktlich ein und Verena erscheint. Vorsichtshalber hat Kurt 2 Tickets für das Tram gekauft. Auf der Fahrt erzählt Verena von ihren Erlebnissen. Wir bringen den Koffer aufs Schiff, spazieren zu einem Restaurant am Strand, feiern Wiedersehen und geniessen ein feines französisches Nachtessen. Bis Verena den Koffer fertig ausgepackt hat, liegt Kurt schon in den Träumen. Dies, nachdem er heute 25`649 Schritte auf dem Zähler hat.

Schritte hat Verena eher wenig auf dem Zähler, aber umso mehr Kilometer hinter sich. Pünktlich steht sie um 11.30 Uhr an der Postautostation Unterdorf und freut sich Lonny und Paul zu begegnen, sowie über die Begleitung der Beiden bis Rheinfelden. In Basel steigt Verena in den TGV nach Paris. Der reservierte Platz ist eher eng, doch wie gewünscht in Fahrtrichtung. Die Dame auf dem Nebensitz ist fleissig am Arbeiten auf ihrem Laptop. Verena will ihren Krimi lesen, doch die Augen machen schlapp und Verena nickt immer wieder ein. So vergeht die Fahrt bis Paris recht schnell. Etwas  mühsamer entwickelt sich das Aussteigen und der Marsch auf dem Perron. Eine Stunde und zehn Minuten hat Verena Zeit um den Bahnhof zu wechseln. Wo ist der Ausgang, wo stehen die Taxi bereit? Verena spürt wie die Nervosität steigt und „speedet“ mit ihrem Koffer davon. Der Taxifahrer, er ist der vorderste in der Reihe, verlangt nachdem Verena ihm ihr Ziel mitgeteilt hat, gleich mal 50 Euro. Innerlich knurrend händigt Verena das Geld aus. Der Chauffeur ist während der Fahrt dauernd am telefonieren und bringt Verena schlussendlich zum falschen Bahnhof, Gare de l`Est, statt St. Lazare. Auf Verena`s heftige Reaktion meint er lächelnd, kein Problem, nur 10 Min. weiter. Nach 15 Min. ist St. Lazare erreicht, Verena findet den Zug, obwohl er nicht auf dem angegebenen Gleis fährt. Sie ist auch nicht die einzige die den reservierten Platz sucht, denn solche gibt es keine. Im überfüllten Zug, „eingeklemmt“ und Knie an Knie mit dem gegenüber sitzenden Herrn, freut sich Verena auf die Ankunft in Le Havre und das Wiedersehen mit Kurt, der sie fein „rausgeputzt“ am Bahnhof in Empfang nimmt.

 

 

Freitag, 12.07. Also, theoretisch könnte es der 13. sein. Verena stellt fest, dass in dem Schrank unter dem Spültrog alles oelig ist. Nach kurzem Nachdenken finden wir die Ursache. Es ist unsere Schuld. Der Olivenoelspender ist ausgelaufen. Also Schrank ausräumen, „Kniearbeit“, reinigen und wieder einräumen. So zieht sich der Morgen dahin. Danach führt Kurt Verena zum Super U, dem Einkaufsladen in der Nähe. Verena findet alles, was ihr Herz begehrt. Am Nachmittag wollen wir uns der Stadtbesichtigung widmen, aber ein Mail der Werft bittet uns um 15 Uhr beim Schiff zu sein. Für einen kurzen Besuch der Josefskirche, die unter UNESCO Weltkulturerbe steht, sowie zu der Markthalle reicht die Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Eindrücklich die Bauweise und der Blick in den 107 Meter hohen Turm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Da scheinen sich Zwei gefunden zu haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pünktlich um 15.00 Uhr sind wir zurück, doch bis der Mitarbeiter der Werft erscheint ist es bereits 16.30 Uhr. Der Versuch die Reparatur zu erledigen dauert bis 19 Uhr und ist nicht fertig. Möglicherweise liegt es sogar an einem andern Gerät. Es scheint komplizierter. Ein weiteres Teil wird ausgebaut das der Mitarbeiter in die Werft mitnimmt. Er wird am Montag wieder kommen. Trotz grossem Ärger gibt es heute für Verena Fischspiessli und Kurt kredenzt sich einen Wurst-Käse-Salat, erster Güte. Er ist nicht begeistert von seiner „Machart“ sondern von der Qualität der Zutaten.

 

Samstag, 13.07. Der Tag hat gut begonnen, doch er endet in einem Fiasko. Nach dem Frühstück gehen wir zum Super U zum Einkauf für das Wochenende. Auf dem Schiff wird alles verstaut und dann marschieren wir zu den hängenden Gärten. Etwas, das sich Verena ja auf keinen Fall entgehen lassen will. Die im Internet angegebene Marschzeit stimmt genau. 30 Minuten vor dem Schliessen über Mittag sind wir dort und schauen uns die ersten „Treibhäuser“ an.

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Dann laufen wir auf der Zitadelle zu den verschiedenen externen Themengärten.  Von Südamerikanisch, über Asiatisch bis zu Australien sind die Gärten auf der Mauer der Zitadelle angeordnet.

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Da finden wir auch immer wieder lauschige Plätzchen zum verweilen.

 

Um 14 Uhr öffnen die Tore wieder und wir schauen uns die restlichen Treibhäuser an. Besonders der Regenwald, sei es afrikanisch oder asiatisch hat es uns angetan. Anschliessend marschieren wir zur Kirche Notre Dame des Flots, wo sich auch der Garten der Poeten befindet.

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Steil abwärts (ob dies ein Omen ist) laufen wir in Richtung Strand und zurück zu unserem Schiff. Es ist erst 16.15 Uhr, also lesen wir noch etwas, bevor Kurt sich in die Küche begibt. Während dem Nachtessen vernehmen  wir uns unbekannte Geräusche und müssen feststellen, der Boiler rinnt, ein Schlauch hat sich gelöst. Kein Problem, Kurt stellt die Pumpe ab und wird dies nach dem Essen erledigen. Doch leider wie meist ist es nicht so einfach. Der Schlauch ist wieder montiert, doch der Boiler rinnt weiter und Kurt kann dies nicht beheben. In der Zwischenzeit hat sich das Wasser in der Bilge des Motorraums angesammelt und es heisst auspumpen.  Es ist Samstagabend, morgen ist Nationalfeiertag, wir müssen improvisieren. Wir vermuten, dass wir noch etwas länger in Le Havre bleiben müssen.

Warten auf Verena

Montag, 08.07. Nach dem Morgentelefon mit Verena sucht Kurt eine Wäscherei. Er findet 3 Adressen und sucht jede einzelne auf. Doch leider muss man bei allen selber waschen. Genau das ist sein Problem. Er kann einiges, aber eine Waschmaschine korrekt bedienen, das liegt ihm fern. Ja der Frust steigt. Auch die Adressen vom Touristen Office ergeben keine anderen Lösungen. Also geht Kurt nach  dem gesunden Mittagessen (Früchte) auf Fotojagd und findet ein Sujet im Hafen.

von hier aus wird der ganze Hafen dirigiert
von hier aus wird der ganze Hafen dirigiert

 

Zurück auf dem Schiff, mittlerweile sind es über 22’000 Schritte beginnt die Ruhe. Das Nachtessen entwickelt sich auch nicht nach seinem Gousto. Die cote d’agneau ist mittelgross, aber pro abgeschnittenem Stück 20 Min. kauen ist auch nicht so sein Ding. Heute wurden Bein- und Kau-Muskulatur arg beansprucht.

 

Dienstag, 09.07. Der Tag hat gut begonnen. Um 10 Uhr ist Kurt in der Werft und bespricht mit dem Chef das Steuerautomaten-Problem. Er verspricht um 14.30 Uhr aufs Schiff zu kommen, da bis zu diesem Zeitpunkt alles verplant sei. 14.25 Uhr kommt ein Mail, er sei zu einem Notfall gerufen worden, dies sei nur 15 Minuten vom Hafen entfernt, er werde aber ca. 15.15 Uhr auf der Madness sein.  Genau um diese Zeit ist er da mit einem Angestellten. Sie suchen und suchen und testen, schlussendlich telefonieren sie mit Raymarine Frankreich. Es folgen weitere Tests, die alle das Problem nicht lösen. Dann zeigt sich, dass die Elektronik ausgestiegen ist. Kostenpunkt etwas über 2’000 Euro. Der Tag hätte wirlich besser enden können. Auch das Telefonat mit Verena konnte Kurt nicht wirklich aufheitern. Die „Beschwerden“ unserer „alten Lady“ wollen einfach kein Ende nehmen.

 

Mittwoch, 10.07. Zuerst auf die Bank, die Werft will eine Anzahlung, dann zurück zur Werft, Anzahlung leisten. Zurück zum Schiff, danach einkaufen, nochmals Mineralwasser bunkern. Dann nach der Mittagspause hat Kurt der Haber gestochen. Diese hängenden Gärten muss er doch finden. Also, nochmals auf die Karte schauen und dann los.

Auf dem Weg zu den Gärten ein Prachtsbau
Auf dem Weg zu den Gärten ein Prachtsbau

 

Und er findet sie, allerdings das mit den hängenden Gärten ist etwas eigenartig. Was am Meisten hängt, ist Kurts Zunge,  diese Gärten befinden sich nämlich auf einem Berg. Es handelt sich um Treibhäuser, in denen Pflanzen aus der ganzen Welt gedeihen, auch  Themengärten gibt es (Asien, Australien etc).

Regenwaldpflanze
Regenwaldpflanze

 

die fleischfressende Pflanze
die fleischfressende Pflanze

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Aufmachung der Anlage von aussen lässt vermuten, dass sich hier mal eine sehr grosse Zitadelle befunden hat. Kurt schaut sich noch nicht alles an, denn er möchte mit Verena nochmals hin gehen. Der Blick vom Berg ist imposant.

 

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Unterhalt

Freitag, 05.07. Heute ist Aussenreinigung angesagt, aber vor Mittag ist das nicht möglich, denn es ist kühl. Was die  Reparatur des Autopiloten betrifft, hat Kurt auch noch nichts gehört, also nutzt er den Vormittag, um bei dem Anbieter vorzusprechen. Er wird den Eindruck nicht los, dass der gar nicht interessiert ist. Da stellt sich die Frage nach der Konkurrenz, was den Mechaniker wieder anspornt. Dann 12 Uhr, Schlauch raus und anschliessen, aber hoppla, das geht nicht. Hier ist, entgegen dem Rest der Welt ein um 180° anderes System. Bisher haben wir immer einen Aufsatz aufgeschraubt und dann den Schlauch eingesteckt. Geht nicht. Man braucht einen Aufsatz  mit Ein- und gleichzeitig Ausgang. Das gibts zwar  im Fachgeschäft, aber das ist erst ab  14 Uhr wieder geöffnet. So bummelt Kurt auf die Nord-Aussen-Mole und unterhält sich mit einem Fischer, der sich über die  Leute aufregt, die alles liegen lassen.

Kirche des hl. Josef bei Flut
Kirche des hl. Josef bei Flut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der heilige Josef bei Ebbe
Der heilige Josef bei Ebbe

Pünktlich 14 Uhr ist Kurt wieder beim Geschäft, dieses öffnet aber, trotz Aussenanschrift, erst um 14.15 Uhr. Der Blutdruck erhöht sich. Der Adapter kostet zwar nur 04.95 Euro, doch Kurt kann sich einen Kommentar nicht verkneifen. Nach der Aussenreinigung ist noch ein Gang zum Super U angesagt und danach gibt`s, nein, macht sich  Kurt sein Nachtessen.

 

Samstag, 06.07. Es kommen immer mehr Charter-Segelschiffe und die legen oft in der Nacht, natürlich mit dem notwendigen Lärm, in Form von gebrüllten Kommandos an. Anschliessend gibts den Ankertrunk und der ist auch nicht immer leise. Eine Fensterreinigung steht noch an, dann ist fertig mit der Putzerei. So langsam kommt bei Kurt der Verdacht auf, dass das Autopilotproblem nicht gelöst werden kann. Er beschliesst, ein  anderes Unternehmen damit zu beauftragen. Dies liegt am Südquai.

Einfahrt eines Autofrachters vom Südquai aus gesehen
Einfahrt eines Autofrachters vom Südquai aus gesehen

Allerdings ist der Chef nicht anwesend und am Montag ist die Werft geschlossen. Für Dienstag vereinbaren wir einen Termin. Via Notre Dame, nein Kurt ist nicht in Paris, es gibt eine solche Kirche auch hier, geht es zum Einkauf. Heute ist in Kaisten „Güggeliessen“ und zu Ehren dieses Anlasses kauft sich Kurt ein halbes Grill-Poulet.

 

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Sonntag, 07.07. Die Segelschiffe links und rechts der Madness bleiben länger, da wurde alles eingepackt. So wird es für uns mit der Ausfahrt etwas schwierig. Nach dem Frühstück hat sich Kurt vorgenommen die hängenden Gärten zu besuchen. Wurde leider nichts, er hat sie nicht gefunden, dafür fand er die Notre Dame des flots, vermutlich „DIE HEIRATSKIRCHE“.

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Im Innern hat`s Platz für ca. 50 Personen und die Aussenanlage, nennt sich „Der Garten des Poeten. Auf dem Rückweg staunt Kurt nicht schlecht. Der Notfallposten ist hervorragend gekennzeichnet, nur leider falsch. Anstelle des Roten Kreuzes ist das weisse Kreuz.

sehr prominent falsch
sehr prominent falsch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurück auf dem Schiff gibts erst mal Früchte. Später beim 2. Ausmarsch entdeckt Kurt ein „Rollerparadies“. 45 Minuten muss er stehen bleiben und den Aktiven zuschauen. Von Auf- und Abfahrten, bis Sprünge,  drehen der Roller oder Velos bis hin zu Salto mortale haben die jungen Leute gezeigt.

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Zusammen mit Verena will Kurt die die hängenden Gärten dann nochmals suchen.

Titelbild: Schieflage der Madness bei der Fahrt durch die Biskaya, aufgenommen mit einer Drohne.

Tage in Le Havre

Dienstag, 02.07. Nach einem kurzen „Müsli-Frühstück“ (Haferflocken und Schoggipulver) allerdings in homöopathischer Menge,  gehts an die Arbeit in der Gästekabine. Das eine Bett noch abziehen, und die Wäsche für den Waschgang bereit stellen, dann abstauben und Staubsaugen. Zuletzt die Tagesdecken darüber und im WC noch saubere Handtücher aufhängen.  Nun ist der vordere Schiffsteil wieder so wie er sein muss. Die Toiletten hat Kurt bereits gestern gereinigt. Für Morgen ist die Küche und das Steuerhaus vorgesehen. Um 13 Uhr verlässt Kurt das Schiff um einen Blick in die andere Marina zu werfen. Da hat es aber noch einige freie Plätze, unverständlich, dass sie keine Gäste, sondern nur  Dauermieter aufnehmen. Hier ist man wohl sehr nahe am Zentrum, doch  der Lärmpegel ist entsprechend hoch, also liegen wir doch gut. Kurt sucht nach einer Hülle für sein neues Nokia-Handy. Doch Frankreich scheint diese Marke nicht zu kennen. Zurück in der Marina schaut er sich nach einer Waschgelegenheit um. Es hat sich so einiges an Wäsche angesammelt. Er wird fündig, allerdings ist  Wäschewaschen nicht so sein Ding. Mit Waschmaschinen und Tumbler steht Kurt ziemlich auf Kriegsfuss. Ach ja, auf dem „Nachhauseweg „schiss“ ihm mit viel Geschick eine Taube aus dem 5. Stock gerade ins Genick“. Zum Glück verstehen die Franzosen kein Schweizerdeutsch. Kurts „Exogener“ war nicht von der feinen Art. Ob das seine Ausschau nach Waschmaschine und Tumbler beschleunigt hat? Dann im Marinebüro erkundigt sich Kurt nach einem Fachmann für den Autopiloten. Sofort ruft der Chef einen Mitarbeiter an und der verspricht innerhalb einer Stunde auf dem Schiff zu sein. Das hält er ein und nach 2 Stunden bestätigt er Kurts Diagnose, dass die Hydraulikpumpe von der Elektronik keine Befehle erhält. Dann ist er aber am Ende seines Lateins. Er fotografiert alles und verspricht, dass er alle notwenigen Schritte unternimmt, um dieses Problem zu lösen. Wie heisst es doch so schönn? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Dann hat Kurt noch eine Einkaufstour vor sich.  Beim Nachtessen ist er dann sehr froh dass  nur 2 kleine Stücke Fleisch gekauft hat. Die Kaumuskeln wurden doch sehr beansprucht.  Es ist zwar alles billiger in Frankreich, aber die CH-Qualität wird hier nicht erreicht.

 

Mittwoch, 03.07. Heute ist nicht so früh Tagwache. Der Morgen ist geprägt von Innenreinigung. Geplant sind Küche und Steuerhaus. Der Wind hat zugelegt. Windstärke 6. Die Segelschiffe schlagen mit ihren Stahltauen an den Mast und auch im Hafen ist es unruhig. Nach dem Frühstück und dem zur Tagesordnung gehörenden Telefongespräch mit Verena, will Kurt die Schrauben an den Motoren nachziehen. Hoppla, der Strom ist aus. Das kann nicht sein, dass innerhalb von 1.5 Tagen 20 Kilowatt verbraucht sind. Also marschiert  Kurt zum Büro und klagt. Das hätte sicher damit zu tun, dass die ersten Kilowatt von der Crew gebucht wurden und die nun aufgebraucht seien. Vorsichtshalber werden nochmals 20 Kilowatt auf die Karte geladen. Zurück beim Schiff lädt Kurt diese auf den Stromkasten. Noch immer keinen Strom im Schiff. Die Sicherung ist ausgeschaltet und lässt sich nicht wieder einschalten. Alles kontrollieren und siehe da, der Stecker, der eigentlich aussen am Schiff stecken müsste, hängt im Wasser. Also alles trocknen,  Kabel verlängern und wieder einstecken. Strom ist da. Danach werden alle nicht mehr brennenden  Lampen mit neuen Leuchtkörpern versehen. Nun ist  alles wieder gut. Am späteren Nachmittag geht`s zum Einkauf. Ein Einpersonenhaushalt ist in Sachen Kochen gar nicht so einfach. Man muss sich Gedanken machen, was und wie man am Besten einkauft.

 

Donnerstag, 04.07. In der Nacht hat der Sturm nachgelassen. Um 08.00 Uhr ist es wie jeden bisherigen Morgen 14 Grad und auf über 21 Grad wird das Thermometer, wie  auch in der nächsten Zeit nicht steigen. Heute stehen  Salon und Eignerkabine reinigen auf dem Programm. Gegen Mittag ist alles erledigt, auch der Teppich im WC ist gewaschen (Handrubbeln) und trocknet an der Sonne. Danach macht sich Kurt auf den für heute vorgenommenen Stadtbummel.

Symbol, wie die Zeit zwischen den Fingern zerrint
Symbol, wie die Zeit zwischen den Fingern zerrint
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Justizgebäude

Le Havre (der Hafen) wurde 1517 von König Franz I gegründet und hat eine lebhafte Geschichte hinter sich. Vom Sklavenhandel bis zum heutigen zweitgrössten Containerhafen von Frankreich. Beinahe hablbstündlich fährt ein Tanker, Frachter oder Containerschiff in den Hafen ein. Die Stadt selbst hat wenig alte Gebäude. Die Folge vom zweiten Weltkrieg. Da haben die Amerikaner und Engländer alles vom Meer aus beschossen und die Luftwaffe hat Le Havre bombardiert.

Denkmal an die vielen tausenden von Toten während der Befreiung von Le havre
Denkmal an die vielen tausenden von Toten während der Befreiung von Le havre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschätzte 70% der Bauten sind nach 1945 entstanden. Will man gewissen Meldungen glauben, so wird Le Havre von den Franzosen gar nicht richtig wahr genommen. Wirklich attraktiv ist diese Stadt auf den 1. Blick nicht. Allerdings hat sie in gewissen Quartieren doch einen gewissen Charme.

Titelbid:  Vulcan, ein besonderer Bau in Le Havre

Erwachen

Montag, 01. Juli. Früh sind sie aufgestanden, die Drei. Sie wollen vor 07 Uhr mit dem Zug losfahren. Kurt verabschiedet Sie auf dem Steg und so wie es aussieht, sind alle zufrieden.

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Mit Sack und Pack verlassen die Drei die Marina und Kurt gönnt sich einen Morgenkaffee. Dann beginnt für Kurt „Klarschiff“ zu machen. Hoppla, die Crew hat in keinster Weise übertrieben, sondern uns mit Ihren Meldungen von unterwegs nur geschont. Uiuiui, in den Schränken und Schubladen sieht es völlig anders aus. Der Salontisch hat’s angeblich auch „umgehauen“ und die Bücher haben sich aus dem Regal auf dem Boden verteilt. Der Steuerstuhl hat durch die „Wucht“einer Welle und vielleicht dem Gewicht des Steuermanns ebenfalls Schaden erlitten. Dieser konnte professionell repariert  werden. Der in Italien montierte neue Anker wurde abgenommen, da er beim starken Wellengang nicht ruhig zu stellen war, In jeder Schublade und in jedem Schrank gibt es Veränderungen. Die See scheint wirklich alles von der Crew und unserem Schiff abverlangt zu haben. Wir müssen den Hut vor dieser Crew ziehen, denn sie haben die Madness und sich selbst heil durch die Biskaya nach Le Havre gebracht. Kurt beginnt hier zu versorgen und da umzuräumen. Um 14 Uhr verlässt er das Schiff um an Land zu kommen und andere Luft zu atmen. Mit 17’000 Schritten hat er die nähere Umgebung erkundet und geht  danach  noch kurz einkaufen. Der Super U, eine Ladenkette in Frankreich, hat eine gute Auswahl. Nach dem Nachtessen gibts ein längeres Telefongespräch mit Verena, wo er sein „Leid“ klagen kann. Dann gehts an die Homepage, im Teamwork, Verena aus der Schweiz und Kurt in Frankreich, klappt bestens.

Beitragsbild, zum Abschied, steht Nikolaus stramm

Überführung der Madness nach Le Havre (ohne uns)

Dienstag, 18.06. Wir haben gut und auch etwas länger geschlafen. Es ist aber nicht so, wie in Winterzeiten. Unsere Madness ist unterwegs und wir sind natürlich sehr interessiert an der Reise. Am 1. Tag fahren die drei Profis, Rainer, Thomas und Nikolaus  bis Cascais. 3 Meter Wellen zwingen die Crew den Hafen anzulaufen. Vernünftig, denn auch wir möchten  dass Crew und Schiff wohlbehalten in Le Havre ankommen und sich keiner Gefahr aussetzen. Wir haben die Möglichkeit, via der App Findship, die Fahrt unserer Madness zu verfolgen.

Mittwoch, 19.06. Heute Morgen ist die Madness aus Cascais ausgelaufen und fährt anfänglich mit gutem „Speed“ durchs Wasser. Es ist nicht so, dass wir die Crew auf Schritt und Tritt  kontrollieren wollen, aber für uns ist es interessant zu wissen, wo unsere Madness ist. Sollten Probleme auftreten, werden wir zeitnah von Rainer informiert. Wir rechnen und hoffen aber keine „Spezialinformation“ zu erhalten, oder wenn nur positive. Das Schiff ist „im Schuss“ und mit dieser Crew sollten keine Probleme auftreten.

Donnerstag, 20.06.  Um 13.52 Uhr erhalten wir die Nachricht, dass unsere Madness in Baiona / Vigo eingetroffen ist. Die Crew meldet keine Probleme, ausser etwas heftigem Wellengang und der Wind nimmt zu. Sie warten für die Weiterfahrt noch etwas ab.

Freitag, 21.06. Um 23.16 Uhr meldet uns Marine Traffic, dass die Madness ausgelaufen ist.

Samstag, 22.06. Rainer meldet sich kurz vor A Coruna. Alles ok, allerdings brennt das Toplicht nicht mehr. Genau das haben wir in El Puerto de Santa Maria ersetzen lassen und kontrolliert, es hat anfangs auch funktioniert. Kurt hat auch ausdrücklich verlangt, dass ein LED-Leuchtkörper eingesetzt wurde. Die Madness fährt um 15 Uhr in den Hafen von A Corunia.

Sonntag, 23.06. Um 08.30 Uhr bekommen wir die Meldung, dass die Madness ausgelaufen ist und sich auf den Weg durch die Biskaya macht. Die Wetterentwicklung sollte bis Dienstag gut sein, sie haben Rückenwind, wenn auch nicht heftig (zum Glück) und die Gezeiten sollten wenig Einfluss haben, da sie praktisch quer zu den Gezeiten fahren. Erst beim Eindrehen Richtung Englischer Kanal werden die Gezeiten zum Helfer oder Verhinderer, aber die Crew kennt das.

Montag, 24.06. Kurz vor 11 Uhr bekommen wir via Satellitentelefon die Meldung, „dass es etwas wackelt“. Die Biskaya ist kein ruhiges Gewässer, doch mit diesen drei Männern müssen wir uns keine Sorgen um  Mannschaft und Schiff machen.

Dienstag, 25.06. Heute Morgen sollte die Madness in Brest einlaufen. Tatsächlich kommt um 06.41 Uhr die Meldung von Marine Traffic, dass unser Schiff in Brest eingelaufen ist.

Mittwoch, 26.06. Die Madness kann zur Zeit nicht auslaufen, bis sicher Donnerstag Nacht ist Sturm  im Ärmelkanal angesagt, Windspitzen bis 85 kmh und Wellenhöhen von 4 Metern.

Donnerstag, 27.06. Wir bekommen von Rainer die Information, dass geplant ist, noch in der Nacht oder am Freitag Morgen weiter zu fahren. Auf Guernsey ist ein  Zwischenhalt eingeplant um das Schiff wieder voll zu tanken. (zollfrei) Sie rechnen, dass sie Sonntags in Le Havre eintreffen werden. Kurt bestellt bei Thetrainline ein Bahnticket für Sonntag nach Le Havre.

Freitag, 28.06. Um 09.42 Uhr erhalten wir von Marine Traffic die Meldung, dass die Madness ausgelaufen ist. Um 11 Uhr wird sie vom Automatischen Informations System AIS erfasst und wir sehen, dass sie mit 7,5 Knoten unterwegs ist. So wird die Crew es heute bis Guernsey schaffen.

Samstag, 29.06. Um 02.36 Uhr erfolgt die Meldung, dass unser Schiff in Guernsey eingetroffen ist. Gegen Mittag kommt dann allerdings die Meldung, dass der Autopilot ausgestiegen sei. Wir sind unglücklich, wissen doch Kurt und Adrian wie es ist, so lange Strecken ohne Autopiloten zu navigieren, damals von  Aqaba bis Zypern bei sehr schlechten Bedingungen. Wir haben den Autopiloten (Elektronik)  vor 3 Jahren ausgewechselt nun steigt er wieder aus, nervig!! Die Crew meldet später, dass sie den Dieseltank wieder aufgefüllt haben. Etwas über 3’000 Liter konnten sie zollfrei tanken. Um 15.01 bekommen wir die Meldung, dass die Madness aus Guernsey ausgelaufen ist und kurz darauf meldet sich auch die Crew, dass sie wieder unterwegs und guter Hoffnung sind, die letzte Strecke problemlos zu meistern. Unser Blick auf AIS zeigt uns, dass sie um 18.09 Uhr mit 11,1 Knoten unterwegs sind. Das ist Rekordgeschwindigkeit, seit wir die Madness unser Eigen nennen. Damit steht eigentlich der Übernahme des Schiffes morgen nichts mehr im Wege. Super, die Crew hat es gut gemacht.

Sonntag, 30.06.  Heute wird Kurt mit dem TGW nach Paris und dann weiter nach Le Havre fahren. Verständlich dass er etwas kribbelig ist, vor allem aber sehr gespannt was die drei Profis, Rainer, Thomas und Nikolaus ihm an Neuigkeiten zu berichten haben. Um 11.30 besteigt Kurt die S-Bahn nach Basel und Verena fährt zurück nach Kaisten, wo sie noch ca. 10 Tage bleiben wird. Die Fahrt im TGW ist spannend, denn auf gewissen Strecken fährt der Zug mit 300 kmh. Das Umsteigen vom Gare de Lyon zum Gare St. Lazare ist mühsam. nicht der Weg, aber das Anstehen am Schalter um  ein Ticke für die Metro zu erhalten. Übrigens diese Strecke der U-Bahn wird ohne Loki-Führer gefahren, alles automatisch. Die Abfahrt nach Le Havre verspätet sich, da die Lokomotive  keinen Bremsdruck erzeugen kann. Sie wird ausgewechselt. Kurt hat dann aber das Gefühl, dass es eine schwächer motorisierte Lok. ist. In Le Havre angekommen, gehts zügig aber zu Fuss zum Schiff. 3km.  Die Crew wartet. Sie macht einen etwas erschöpften Eindruck, so gehen wir bald zum Nachtessen, denn es ist mittlerweile 22 Uhr. Die Drei beginnen zu erzählen und Kurt denkt sich, na ja, etwas „Fischerlatein“ ist vielleicht  eingeschlossen. Nach dem Nachtessen erfolgt die Abrechnung. Alles top korrekt. Kurt bezahlt alles bar und so gehen wir rein geschäftlich korrekt auseinander, menschlich bleiben wir aber bestimmt miteinander verbunden. Rainer und Thomas gehen früh schlafen, Nikolaus, noch nicht müde, erzählt noch aus seiner Sicht. (Sie weicht nicht ab von den beiden Hamburgern.)

 

 

Olhao, wir schätzen Dich, Schiffübergabe und Heimreise

Samstag, 15.06. Die Musik aus dem „Lärmzelt“ berieselte und wiegelte uns in den Schlaf. Nach dem Frühstück und nach einem Waschgang  spazieren wir nochmals Richtung Stadt, Verena möchte noch eine Jacke kaufen und Kurt sucht immer noch nach einer Uhr für das Steuerhaus. Also trennen wir uns. Kurt findet zwar keine Uhr, aber eine Notlampe. Falls jemand über Bord geht kann man diese Lampe der Person zuwerfen. Die Lampe fällt dann aufrecht ins Wasser und durch das Rundum-Licht kann man die sich im Wasser befindende Person leichter orten. Nach unseren Einkäufen treffen wir uns wieder bei den Markthallen. Doch all die Marktstände auf dem grossen Platz neben den Hallen und die unendlich  vielen Menschen sind gar nichts für Kurt, das ewige „angestossen“ werden stösst ihm sauer auf. Er beschliesst direkt zurück zu gehen. Verena tätigt noch einige Einkäufe in der Markthalle. Zurück auf dem Schiff geniessen wir erst mal die Ruhe. Gegen 3 Uhr laufen wir noch Richtung der angekündigten Segelregatta. Welche Überraschung, es handelt sich um Modellboote, aber die Ernsthaftigkeit ist durchaus vergleichbar mit einer normalen Regatta. Bei Behinderungen werden Proteste eingelegt etc.

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Nach dem „Rennen“ laufen wir weiter Richtung Altstadt. Plötzlich hören wir laute Stimmen, zwei Männer „bedrängen“ sich. Schlussendlich ein Tumult, ca. zehn Männer die alle aufeinander einreden. Plötzlich rangeln sich zwei Männer am Boden, dann zwei oben drauf. Diese können die zwei Streithähne auseinander bringen und die situation beruhigt sich langsam. Zum 1. Mal auf unserer Reise, dass wir so etwas erleben.  Auf dem Rückweg können  wir nochmals eine Regatta verfolgen, diesmal mit kleineren Segelbooten, jedoch mit dem gleichen Enthusismus. Beim gemeinsam zubereiteten Nachtessen wandern unsere Gedanken zu der Crew die morgen ankommen wird und die Spannung auf den morgigen Tag steigt.

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Die verschiedenen Landformationen bei Ebbe lassen uns immer wieder erstaunen, besonders auch bei Vollmond.

 

Sonntag, 16.06. Der Sonntag verbringen wir bis zur Ankunft der drei Männer, mit letzten Vorbereitungen. Verena bringt das  Innere des Schiffs nochmals auf Hochglanz. Um 17.30 Uhr trifft Rainer ein. Er kommt von einer Schiffsüberführung nach Portugal direkt zu uns. Er verzichtet bewusst, sich das Schiff anzusehen, er will warten, bis alle da sind, damit wir alles nur einmal erzählen müssen. 18.30 Uhr treffen auch Thomas und Nikolaus ein.

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Wir finden die Crew auf Anhieb  sympathisch, sie sind professionell und scheinen sehr zuverlässig. Ja ja, unsere Madness ist eine alte Lady und sie hat ihre Eigenheiten. Rainer hat immer die Kamera dabei und sämtliche Anweisungen werden so festgehalten. Nach mehr als einer Stunde ist die Einführung abgeschlossen. Nun plagt uns der Hunger und wir suchen nach einem Restaurant. 3 x rennen wir an, alles besetzt und einmal gar nicht offen. Dann aber haben wir Glück und können in einem typischen Restaurant ein feines Nachtessen geniessen. Heute ist Stadtfest. Rainer und Thomas möchten sich das noch ansehen und Nikolaus bleibt mit uns auf dem Schiff. Viel gibt es zu diskutieren und so wird es nach Mitternacht bis wir uns alle schlafen legen.

 

Montag, 17.06.  Wie abgesprochen ist die Crew  früh aus den Federn und einkaufen gegangen. Wir trinken noch gemütlich unseren Morgenkaffee, packen die restlichen Sachen ein und stellen die Koffer auf den Steg. Nach 2 Stunden kommt die Crew zurück. Mit einem ausgeliehenen Einkaufswagen, nebst unserem „Wägeli“, transportieren sie ihren Proviant zum Schiff.

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Kurt gibt noch letzte Informationen, dann meint Rainer, es fehle noch ein Dokument, nämlich die Bestätigung, dass sie in unserem Auftrag das Schiff überführen und es nicht etwa gestohlen hätten. Nachdem das Dokument aufgesetzt, gestempelt und unterzeichnet ist, gibt es ein letztes Gruppenfoto und dann verabschieden wir uns. Dies, mit etwas Wehmut, aber auch mit einem sehr guten Gefühl. (Schon Angela Merkel hat gesagt: Wir schaffen das und hier sind es 3 Männer!!!) Zu Fuss geht’s Richtung Bus-Terminal und von dort mit dem Bus bis Faro. An der Endstation steigen wir aus und schnuppern etwas die Luft des Hafens. Allerdings mit den Koffern ist das etwas mühsam. Wir setzen uns in ein Restaurant und essen eine Kleinigkeit. Kurt bleibt im Restaurant und Verena will sich noch etwas Faro ansehen.

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Um 15.30 Uhr lassen wir uns per Taxi zum Flughafen bringen. Hier heisst es dann warten, in der Schlange stehen und die üblichen Kontrollen. Dann geht es aber sehr schnell. Start pünktlich 18.45, der Pilot meldet ca. 20 Min. kürzere Flugzeit, eine Geschwindigkeit von 930 kmh.

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Abendrot über den Wolken.

Das bedeutet für uns, dass wir in Basel ohne Probleme noch den 23.13 Uhr Zug (Schweizer Zeit) erwischen und so um Mitternacht in unserem „festen“ zu Hause ankommen. Wie immer, treffen wir alles bestens an, Dank Armin.

Titelbild:  Ist es Fitnessprogramm, Wettschwimmen oder ein spezielles Ritual? Jedenfalls Ausdauer haben sie, diese Fische!

Die Tage in Olhao sind gezählt

Donnerstag,  13.06.  (erster Tag) Die Nacht war ruhig und die Batterien haben gut gehalten. Bevor die Kaffeemaschine in Betrieb genommen wird, starten wir den Generator. Nach dem Frühstück verlangt unsere Ena, so heisst die kleine Jura-Kaffeemaschine, nach einer Entkalkung. Laut Buchführung hat sie dies vor genau einem Jahr ebenso verlangt, ob dies die Schweizer Genauigkeit ist??? Wir  warten noch auf die Marineiros, die uns gestern so toll geholfen haben, um zu erfahren wann wir unser Schiff „umparken“ können. Da die Beiden aber erst am Nachmittag kommen werden, melden wir uns beim Marina-Büro ab, um in die Stadt zu gehen. Dem Quai entlang erreichen wir die zwei grossen Markthallen. In der  ersten werden nur Fische und Meeresfrüchte verkauft, diese Vielfalt ist unglaublich! In der zweiten Halle gibt es Früchte, Gemüse, Käse, Fleisch, und einheimische Spezialitäten, auch hier alles sehr gepflegt und schön präsentiert. Eine Spezialität ist Feigenkäse. Dies ist aber kein Käse, sondern getrocknete Feigen mit Mandeln und Schokolade. Wir kennen so was ähnliches aus Ungarn. Dort heisst es Quittenkäse, weil dies dort aus Quitten hergestellt wird.

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So „blutt“, diese armen Kerle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die verschiedenen feigen-Kreationen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Nach langem Suchen und umherirren durch die vielen Strassen, findet Verena eine Bäckerei. Wir kaufen ein Brot und marschieren  zurück zum  Schiff. Die Marineiros von gestern sind da und wir diskutieren betreffs Verholen. Über das Wochende wird der für uns vorgesehene Steg von Seglern belegt, die an einer Meisterschaft teilnehmen. Wenn wir am jetzigen Steg Strom hätten, könnten wir uns auch entschliessen hier zu bleiben. Die Beiden sind bereit dies für uns zu organisieren, wie auch das Tanken im Fischerhafen. So fahren wir um 14.45 Uhr los, finden aber die Tankstelle nicht auf Anhieb. Man ist freundlich hier und hilft uns mit „Schreien“ und Handzeichen. Es ist noch ein Schiff an der Tankstelle, die als solche nicht erkennbar ist und mit dem Schiff davor für uns nicht zu sehen. Wir legen an und füllen den Tank, aber das will und will nicht aufhören. Schlussendlich gehen 1’400 Liter in den Tank. Nun gut, jetzt ist er randvoll. Zurück in der Marina stehen die Marineiros bereit und helfen die Madness korrekt und sicher zu vertäuen. Wir wollen das Schiff noch „abspritzen“ und so organisieren sie einen Schlauch  und legen eine sehr lange Leitung zu uns. Mehr kann und darf man nicht erwarten. Uns wird auch mitgeteilt, dass noch nie ein so grosses Schiff in der Marina angelegt habe. Und die Marineiros würden sehr gerne dieses Schiff von innen sehen. Nach so viel Hilfe und Goodwill ist dies für uns eine Selbstversändlichkeit. Danach  übernimmt Verena die Aussenreinigung und Kurt verschwindet in die Küche .

 

Freitag, 14.06.  Nach einer sehr ruhigen Nacht erwachen wir früh. Gleich nach dem Frühstück verlassen wir das Schiff und staunen über die Wasserleitung. Insgesamt sind es sicher 100 Meter, die die Marineiros gelegt haben, damit wir Wasser haben. Super, die bemühen sich echt für ihre Kunden.

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Hier ist der Anschluss unserer Wasserleitung, von hier geht sie über einen grossen Platz und danach auf unseren Steg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Mail der Überführungscrew „erschreckt“ uns etwas. Sie fragen, ob sie schon am Sonntag aufs Schiff kommen könnten, und so ein Zeitfenster (gute Bedingungen) Montag und Dienstag ausnutzen könnten. Über Internet finden wir eine Reiseagentur und wollen dort unseren Flug buchen. Nur 10 Minuten entfernt soll sie sein, trotzdem finden wir sie nicht, na, werden wir langsam alt? Nach mehrmaligem Fragen teilt man uns mit, dass diese Agentur nicht mehr existiert, aber in der Nähe der Kirche, das heisst noch etwas weiter soll es eine Agentur geben. Dank Verenas Ausdauer haben wir Erfolg und die Dame erledigt alles sehr professionel. Wir bringen unseren „Schatz“, Flugtickets, via Markthalle, wo wir unser Nachtessen einkaufen, zum Schiff. Dabei stellen fest, da wird ein Zelt und eine Lautsprecheranlage aufgebaut. Nach der Siesta gehts nochmals in den Ort, denn auf der „Posti-Liste“ steht noch ein Thermoskrug. Wie so oft, beim Chinesen findet man alles, und erst noch gute Deutsche Qualität. Auf dem Rückweg gönnen wir uns noch einen Drink an einem angenehmen windgeschützten Platz an der Sonne. Der dröhnende Sound-Check findet bereits statt. Wir sind froh, dass wir etwas abseits liegen. Zum z’Nacht gibts Spiessli, Tomatensalat und Brot. Die Spiessli sind so gross, dass Kurt nur eines essen mag. (das will etwas heissen)

Von Vila Real de Santo Antonio nach Olhao

Mittwoch, 12.06. Um  08.30 Uhr stehen wir auf. Da wir erst um 11 Uhr losfahren wollen, bleibt uns genügend Zeit für die letzten Vorbereitungen. Nach dem Frühstück reinigt Verena noch die Fenderhüllen, die in verschiedener Hinsicht gelitten haben. Kurt bringt die Sicherheitskarte zurück und wünscht, dass um 11 Uhr ein Marineiro kommt, um uns beim Ablegen zu helfen.  Leider auch hier……… keine Schweizerpünktlichkeit und so hilft uns der freundliche deutsche Segler, der uns schon beim Anlegen geholfen hat. Die Ausfahrt ist knifflig. Ebbe ist um 11.30 Uhr und ca. eine Stunde vor und eine Stunde nach Ebbe ist das Wasser ruhig. Hier aber nicht. Wind und Strom gehen in die gleiche Richtung und die Ausfahrt wie die Zufahrt zur Ausfahrt sind sehr eng. Beim 2. Anlauf gelingt es. Wir fahren der Seeschifffahrtsstrasse entlang Richtung offenes Meer und dann gehts nach Westen. Nein, nach Osten, Westen, Norden, in alle Richtungen, das Meer ist mit Netzen richtiggehend „verseucht“. Dann stellen wir den Kurs ein und wir kommen anfangs gut voran, doch dann wechselt die Wasserrichtung gegen uns. Kurt versteht die Welt nicht mehr. Kurz vor der Einfahrt in die Lagune erhöht sich die Geschwindigkeit wieder auf über 8 Knoten, aber dann, nach der Einfahrt spüren wir das rückläufige Wasser. Das Höchste der Gefühle sind 5,3 Knoten.

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Hier muss man sich  ganz genau an das Fahrwasser halten. Links und rechts  sind Sandbänke. Auf den Anruf über Funk meldet sich wie gewohnt niemand und so fahren wir Richtung Marina. Ein letzter Versuch bringt Erfolg, ein Kleinboot mit Marineiros weist uns den Weg. Wir müssen zum Anmeldesteg, der als solcher aber noch nicht bezeichnet ist. Super, Tankstellen hats auch, doch die funktionieren noch nicht. Wasser und Strom gibt es hier am Anmeldesteg auch noch nicht. Die Marineiros erklären uns, dass wir für heute Nacht hier bleiben müssen.  Ab morgen sei der für uns vorgesehene Platz frei, der zur Zeit leider noch durch ein Schiff belegt ist, das einen Motorschaden erlitten hat. Vorher können wir dann noch in den Fischerhafen um das Schiff voll zu tanken. Nach der Anmeldung erledigt Kurt noch die Nacharbeiten zum Törn. Verena sieht hinter uns ein Segelschiff, das in Portugal eingelöst ist, aber unter der Steuerbord Saling eine CH Flagge gesetzt hat. Es sind vier Schweizer Männer, die eine Segelyacht gechartert haben. Wir nutzen die Gelegenheit für einen kurzen „Schwatz“ in „Schwiezerdütsch“. Da wir den Generator nicht starten wollen essen wir heute kalt. Die Gegend hier ist ruhig, wenn wir vom eigenartigen Klopfen in regelmässigem Abstand mal absehen und die Lagunenlandschaft ist echt beeindruckend.

Ende von Vila Real de Santo Antonio

Montag, 10.06.  Wir haben gut geschlafen. Schon früh morgens wird Kurt geschockt. Er bekommt von einem Freund ein Video, das echt schockiert. Er war mit seinem Schiff Ursus in der Schleuse von Abwinden und ein Kabinenschiff (Verdi) hat die  Schleuse gerammt.  Kurt hätte nasse Hosen bekommen, denn das hätte echt schlecht enden können. Wäre die Schleuse gebrochen, wäre die Ursus womöglich über die Schleuse, 18 Meter in die Tiefe gefallen. Wir sind echt sehr froh, dass es für Helmut und Brigitte glimpflich  abgelaufen ist. Ja ja, es steht in vielen Büchern geschrieben,: „Hütet euch vor den weissen Schiffen.“ Die schwarzen Schiffe, Frachtschiffer, sind rücksichtsvoll. Verena hat heute Wäschetag, 10 Minuten Fussmarsch bis zum Waschsalon. Sie füllt eine 11-Kilo-Maschine,  Waschdauer nur gerade 35 Minuten. Unterdessen geht Kurt ins Marinebüro und bezahlt für 2 weitere Tage und bittet die Sekretärin, in Olhao anzurufen um einen Platz für uns zu reservieren. Sie bekommt keine Antwort. Es ist Feiertag. Sie wird es morgen versuchen. Die sind echt nett hier. Verena nimmt für die Feinwäsche noch die Maschine auf dem Schiff in Betrieb. Super, alles ok mit dem Generator. Anschliessend unternehmen wir noch einen  Spaziergang durch den Ort.

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Wieder einmal überlegen wir wozu diese metallenen Vorbauten nützlich sind. Gegen Wind hilfts eher nicht, vielleicht Schattenspender?

Zurück auf dem Schiff, wollte Verena eigentlich die Wäsche von den Leinen nehmen, doch irgend etwas juckt sie und sie repariert zuerst den „lotternden“ WC-Deckel im Gäste WC. Mit zusätzlichen Unterlagsscheiben und festgezurrten Muttern ist alles wieder seefest. Kurt bevorzugt da doch eher den Küchendienst und auch den Abwasch nach dem Essen.

 

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Dienstag, 11.06.  Es stürmt und der Fluss hat doch rechte  Wellen mit Schaumkronen. Gegen Mittag soll es besser werden. Kurt hat den Steg ausgemessen. Er ist 300 Meter lang und wird, wie wir nun vernommen haben, von Ankern und Ketten gehalten. Diese werden jährlich mehrmals von Tauchern kontrolliert. Darum gibt es an diesem Steg keine Pfähle an denen der Steg sich auf- und ab bewegen kann. Im Marinebüro bekommt Kurt die gute Nachricht dass wir einen Platz in Olhao haben werden. Mit dem Einkaufswägeli macht er sich auf den Weg zum Supermarkt und Verena vergnügt sich nochmals in der Fussgängerpassage. Den Rest des Tages verbringen wir mit lesen, dies und das werkeln, schauen im Internet, was Olhao so bietet und fragen per Mail noch an wo wir das Schiff volltanken können. Wir müssen die Madness mit vollem Diesel- und Wassertank übergeben. Nach dem Nachtessen bereiten wir das Schiff für die morgige Fahrt vor.

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Nun müssen wir uns von den vielen Fischen, die sich hier im Hafen mit stets offenem Maul herumtreiben, verabschieden. Sie haben nichts zu befürchten, denn sie sind ungeniessbar.