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Die 2 letzten Tage in Boulogne-sur-mer

Boulogne-sur-mer ist in 2 Punkten interessant. Napoleon hatte den Plan, England zu erobern. Das grösste Problem war die übermächtige englische Kriegsflotte.  Ab 1803 zog er von Dunkerque bis Boulogne sur mer die „Grande Armee“, über 200’000 Mann zusammen und schickte die französische Flotte zu einem „Scheinangriff“ zu den Antillen. Ihnen gab er den Befehl, sobald die britische Kriegsflotte ausgelaufen und sich Richtung Antillen bewege, auf dem schnellsten Weg zurück zu kommen. Die verbündete spanische Flotte war auch in diesen Kriegsplan eingebunden. Das Debakel von Trafalgar ist bekannt. 1805 musste Napoleon den Plan aufgeben, da die Russen aufbegehrten. Er zog mit seiner Grande Armee gegen die Russen und siegte bei Austerlitz. Geschichtlich interessant ist auch der 2. Weltkrieg. 1940 versuchten die Briten den Ort gegen die Deutschen zu schützen, erlitten aber eine Niederlage. Die Überlebenden wurden von der Royal Navy aufgenommen. Am 15. Juni 1944 wurde der Hafen und die Umgebung mit über 500 Bomben zerstört. Im August erklärt Hitler diese Stadt zur Festung. Im September wurde die Stadt jedoch von der 3. kanadischen Infanteriedivision eingenommen. Ein Zivilist kannte einen Eingang in die Altstadt, der den Deutschen nicht bekannt war.

 

Mittwoch, 14. 08.  Wiederum ein Regentag. Wir verschieben den Einkauf immer weiter und hoffen auf eine Trockenphase. Endlich hellt es etwas auf, wir haben den Steg noch nicht verlassen, regnet es bereits wieder. Beim Überqueren der Brücke sind wir etwas irritiert. Schwimmt da ein Hund im Hafenbecken? Wie kommt der rein und vor allem, wie kommt er wieder raus? Tatsächlich es ist ein Hund, allerdings ein Seehund. Wir freuen uns, der 1. freilebende Seehund den wir sehen. Das erhellt für uns den Regentag. Auf dem Rückweg können wir immer noch beobachten, wie er auftaucht, Luft holt und wieder verschwindet. Hier darf nicht gefischt werden, also ist die Fischpopulation hier sicher grösser als anderswo. Den Nachmittag verbringen wir auf dem Schiff. Bei einem kurzen Unterbruch des Regens spazieren wir noch um das Hafenbecken Napoleon und schauen den Fischern beim Abrollen der Netze von ihrem Fischkutter zu. Wir staunen über die Länge des Netzes und vor allem ob den Gewichten in Form von Eisenketten mit Gliedern von sicher 10 cm Grösse.

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Ein kurzer Abstecher ins Industriequartier zeigt uns was hier umgesetzt wird. Findus Frankreich hat die letzten 2 Tage Fische paniert und tiefgefroren und in Kühllagerhäusern mit Thermoschleusen eingelagert. Den Duft hatten wir 2 Tage in unserer Nase. Diese Lagerhäuser verfügen über Dutzende von  Andockstellen für grossse LKW und es gibt sicher 10 von diesen grossen Kühlhäusern. Arme Fische und Krustentiere.

 

Donnerstag, 15.08. Wolkig und windig, mit einigen „Sonnenblicken“ empfängt uns der Tag. Den Morgen verbringen wir auf dem Schiff. Um 14 Uhr machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Auf 16 Uhr ist eine Kavalkade (Reiterzug) durch Boulogne angesagt. Natürlich sind wir zu früh, bummeln also noch auf uns unbekannten oder auch vertrauten Pfaden durch die Stadt. Dabei stellen wir fest, dass an den Absperrgittern nicht Kavalkade, sondern Carnevalesque (Karneval) steht. Also nicht gerade Kurt`s Geschmack. Auch Strassenkunst gehört zu Boulogne. Wir bewundern ein Gemälde an der Hauswand, an dem  gerade  der letzte Spray aufgetragen wird.

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An der Umzugsstrecke,  setzen wir uns in ein Strassencafé und warten, wie hunderte Einheimische auf den „Umzug“.Um 16.25 Uhr kommt nach 3  Autos (Polizei) eine Musikkapelle, dann erscheinen Fahnenschwinger (die Schweizer können dies definitiv viel, viel besser) anschliessend gibt es Gruppen aus verschiedenen Ländern, die ihre Folklore darbieten. Velo- und Tanzartisten und zur Freude von Kurt,  4 Mexikaner und 2 Ladies hoch zu Pferd.

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Der Umzug dauert ca. 1 Stunde und tausende von Zuschauern säumen die Strassen. Nach der letzten Gruppe laufen wir durch Nebenstrassen zurück zur Marina. Auch hier säumen Menschenmengen die Strasse, die 1. Gruppe ist jedoch  noch ausser Hörweite. Während unserem Nachtessen beginnen die Lautsprecher der auf dem Hafengelände aufgebauten Musikanlage zu plärren.  Ob es noch eine Rocknight gibt?? Wir fahren morgen nach Calais, allerdings können wir erst um 12 Uhr starten, da vorher die Schleuse geschlossen ist. 21 Seemeilen warten auf uns, bei suboptimalen Wetterbedingungen.