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Wandern / Vieste und San Giovanni

Sonntag, 25.06.   Wir stehen zeitig auf, denn heute wollen wir, zusammen mit Renate auf die höchste Erhebung des Gargano, den Monte Sacro. Wir fahren zu ihrem Bauernhof, finden ihn aber erst auf den 2. Anhieb. Josef ist bei einem Kollegen, um dessen Stromanlage zu prüfen, allenfalls zu reparieren. Wir fahren mit dem Auto bis zum Startpunkt für die Wanderung. Von nun an gings bergauf mit uns. Renate, mit Stock (es könnte Schlangen haben) voraus und in der Hälfte gibt es einen Rastplatz, wo die durstigen Frauen ihre Mineralflaschen auspacken und trinken. Nach diesem Rastplatz wird der Aufstieg angenehmer, denn wir sind im Wald, wo uns die Steineichen Schatten spenden. Unterwegs treffen wir 3 Männer die eifrig wilden Oregano sammeln. Auf dem Gipfel stehen die Reste eines Benediktinerklosters. Das ganze Areal dieses Klosters misst gegen 6’000 m2. Es muss eine einmalige Anlage gewesen sein, die im Jahre 1058 erstmals erwähnt wurde. Bei Ausgrabungen, die von der Uni. Nürnberg begleitet wurden, fanden sich viele wertvolle Gegenstände, auch Bücher, die sorgfältig restauriert und Museen zur Verfügung gestellt wurden. Es lässt sich nur erahnen, weshalb so viele Schätze auf dem Berg waren. Dort waren sie vor fremden Zugriff geschützt. Was uns immer wieder stark beeindruckt, sind die Bauten und deren Überreste. Mit welchen Mitteln wurden diese Steine bearbeitet und welche Menge von Steinen hier verbaut.

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Der ganze Ort ist eine Oase der Ruhe und zu Innehalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Abstieg gestaltet sich dann weniger mühsam als der Aufstieg, ging aber etwas in die Knie. Anschliessend hat uns Renate ins Centro Agricola eingeladen. Der italienische Degustationsteller, der aus den typischen Speisen des Gargano bestand, hat uns sehr gemundet. Alles wird auf diesem Hof selbst produziert. Es waren 9 kleine bis mittlere Häppchen, Bruschetta, gebackene Auberginen, eingelegte Peperoni, Salami, Mozzarellaknöpfe, Gemüseomlett und Gitzifleisch. Wir sind kaum fertig, erscheint auch Josef, er stillt seinen Durst und den „Gluscht“ auf ein Tiramisu. Den Rest des Nachmittags verbringen wir gemütlich zusammen auf der Masseria von Josef und Renate. Um 17 Uhr verabschieden wir uns in Richtung Manfredonia zu unserer Madness. Der angenehme Wind lädt zum Verweilen auf der Fly ein, denn einerseits bringt er Kühlung und hält auch die Mücken fern. Und dann kommt Antonio mit einem Kessel voller Muscheln. Ob wir diese haben möchten, sie seien ganz frisch. Kurt hat noch nie solche zubereitet und ist deshalb etwas skeptisch. Antonio merkt dies und erklärt, wie man diese zubereiten, und vor allem auch reinigen muss. Also willigt Kurt  ein und  macht sich mit grossem Eifer an die Reinigung der Miesmuscheln.

 

 

Montag, 26.06.   Kurt begibt sich zum Gonad um frisches Brot zu kaufen. Dabei trifft er Antonio, der heute Frühschicht hat. Er erklärt Kurt, dass er alles dabei habe, um uns die Muscheln zu kochen. Er wolle uns diese zum Mittagessen zubereiten. Prima, aber wir haben  vorgesehen, heute nach Vieste zu fahren. Kurt „druckst“ etwas herum, doch für Antonio ist dies kein Problem, dann kommt er eben um 18 Uhr um uns die Muscheln zu kochen. Mit andern Worten, „HEUTE SIND WIR REICH, HEUTE HABEN WIR UNSEREN EIGENEN KOCH! Dann fahren wir nach Vieste. Die Fahrt ist etwas mühsam. Nicht die vielen Kurven sind es die anstrengen, sondern die vielen Licht- und Schattenstellen, die uns auf der Fahrt durch den Schattenwald begleiten. Vieste ist eine Touristenstadt. Gleich bei der Einfahrt zur Stadt sind viele Hotelkomplexe, aber auch viele Campingplätze und Strände, viele Liegereihen mit Sonnenschirmen und Liegestühlen, also echt nicht unser „Sehnen“ finden wir. Dann parkieren wir kurz vor der Altstadt. Es ist 12 Uhr, wir sehen nicht viele Touristen, dafür aber viele versteckte Gassen und kleine Plätze, die das echte Vieste ausmachen. Wir essen eine Kleinigkeit und begeben uns anschliessend zu den Kreidefelsen, die eine imposante Höhe erreichen. Auf der Rückfahrt halten wir noch kurz beim Einkaufszentrum und besorgen uns was nötig ist. Um 18 Uhr erscheint Antonio mit seinem Sohn Federico. Die Ingedrienzen für ein erfolgreiches Muschelgericht, schwarzen Pfeffer, Peterli und Knoblauch hat er Kurt schon am Morgen  mitgegeben, mit der Ermahnung, dies in den Kühlschrank zu stellen. Also, Generator an (wir meinen, dass eine Pfanne nicht reicht) und Antonio beginnt mit der Zubereitung, die so einfach ist. Er zeigt Kurt, was, wie gemacht werden muss. Dann, so langsam hebt es den Kochdeckel, die Muscheln gehen auf und alles ist perfekt.

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Antonio weiht Kurt noch kurz in die Weiterverwendung der Muscheln mit Pasta ein und dann verlässt er mit seinem Sohn das Schiff. Etwas skepitsch beginnen wir die Muscheln zu essen und sind geradezu begeistert, welchen wunderbaren Geschmack diese haben und die Zubereitung ist sooooo einfach. Danke Antonio, Du wirst in unseren Erinnerungen einen festen Platz einnehmen. Die Muscheln, die wir nicht mehr essen mögen, schälen wir aus und werden sie morgen, oder übermorgen aber ganz genau nach den Instruktionen von Antonio, zusammen mit Pasta essen. Während Kurt die Küche reinigt und den Abwasch besorgt, telefoniert Verena mit Andrea und später mit Renate und Josef. Morgen werden wir zuerst einige Sehenswürdigkeiten besuchen und dann mit den Beiden einen gemütlichen Abend verbringen.

 

 

Dienstag, 27.06.  Beim Frühstück diskutieren wir nochmals den heutigen Tag  und es gibt eine Planänderung. Wir beschliessen nach San Giovanni Rotondo zu fahren und informieren Renate über die Änderung. Am Abend wollen wir trotzdem nach Mattinata, zum Schmied und mit Renate und Josef essen gehen. Wir starten gegen 10.30 Uhr und fahren durch die Ebene nach San Giovanni Rotondo. Das allerdings liegt auf 557 Metern über Meer. Auf der Fahrt sehen wir im Südwesten wieder eine riesige Rauchwolke in den Himmel steigen. Der Boden ist völlig ausgetrocknet und ein Funke genügt, um ein Feuer zu entfachen und der stete Wind tut das Seinige dazu. San Giovanni Rotondo ist ein sehr beliebter Pilgerort. Das Dorf ist wegen seiner Kirche und dem Kloster S. Maria delle Grazie bekannt. Die Klosterkirche ist innen mit rotem Marmor gebaut, schlicht, aber schön. Sie ist aufgeteilt in eine kleine, (erste) Kirche und die grössere,  (zweite Kirche).

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Klar zu erkennen, links die alte und rechts die neuere Kirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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….ein Blick in die ältere

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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…..und ein Blick in die zweite Kirche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgrund der vielen Pilger hat der Architekt Piano eine neue Kirche und der Künstler Pomodoro (die heissen wirklich so) den Altar und das Kreuz dafür erschaffen. Die Kirche ist ein Kunstwerk aus Stein und Holz und bietet 7’000 Gläubigen Platz. Sie ist auch der Ruheort des Gründers Pater Pius aus Pietralcina, der als wundertätiger Mönch hoch verehrt wird.

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Die dritte imposante Kirche und der grosse Vorplatz mit den Olivenbäumen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das alles überragende Kreuz und das spezielle „Geläut“, mit 8 Glocken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Wunderschön die eingepasste Orgel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Schlicht der Altar unter dem muschelartigen Gewölbe.

 

Er hat auch den Bau des Spitals veranlasst, das als grösstes und bestes von Süditalien gilt. Während die Kirche selbst von schlichter Schönheit und Eleganz ist, würden wir die letzte Ruhestädte des Mönchs als eher „kitschig“ bezeichnen. Die Mosaike sind zwar schön, aber die güldene Decke…..für uns persönlich zu viel Prunk. Nach einer Pause und dem genüsslichen „Schlecken“ einer feinen Glace gehts auf den Heimweg. Nun kommt die erwartete Nachricht von Renate. Wir treffen uns in Mattinata bei der grossen Tankstelle. Wir fahren genau um die vereinbarte Zeit, 18.30 Uhr in Mattinata ein, allerdings über Umwege und bei der falschen Tankstelle. Dank Telefon finden wir aber zusammen. Nach einem kurzen Strandbesuch in Mattinata fahren wir weiter zum Restaurant, wo wir gemeinsam das Nachtessen einnehmen. Kurt bekommt hier zum erstan Mal seine Spaghetti Napoli, und wie! Die Köchin hat sich Mühe gegeben und einen kleinen Monte Sacro hingezaubert.

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Nach beendeter Mahlzeit fahren wir, wie vereinbart zu Matteo, dem Schmied und seiner Familie. Herzlich werden wir empfangen. Er zeigt uns alle seine Kunstwerke, die uns sehr beeindrucken. Trotz Parkinson und bereits zitternden Händen lässt er sich nicht unterkriegen. Wir entscheiden uns für 3 Kreationen, die er uns natürlich gerne verkauft. Freudig zeigt er uns auch die uns beeindruckenden Portraits die er gemalt hat. Bei einem Glas Wein, zu dem wir eingeladen werden, wird angeregt diskutiert und erzählt.  Gegen 23 Uhr verabschieden wir uns.  An Schlafen ist noch nicht zu denken, lieber geniessen wir die kühle Nachtluft  auf der Fly.