20. August, Situation

Kurt ist wieder fit und könnte Bäume ausreissen, wenigstens Frischgesetzte. In der Angelegenheit unserer Gastgeber hat es eine erstaunliche Entwicklung gegeben, die mich doch im Glauben an den Staat etwas erschüttert. Die beschlagnahmten Waffen, sind samt und sonders aus Russland, antik und wurden legal erworben. Das geänderte Waffengesetz lieferte den Vorwand, diese zu beschlagnahmen. Sie gehören nun dem Staat und wenn sie die Waffen zurück haben wollen, können sie diese zurück kaufen! Nicolay ist am Boden zerstört, soviel Geld (er spricht von 15’000 €.) habe er nicht.

Gestern Abend kam er zu mir aufs Schiff, zuerst mit einer Pfanne mit Maiskolben darin. Dann fragte er, ob ich mit ihm ein Glas Weisswein trinke. Er kam wieder, mit einer Kerze, einer Flasche Weisswein, 2 Zinnbechern, einer Schale mit Erdnüssen und einem Teller mit geschnittenem Käse. Nicolay ist nicht Bulgare, er ist Russe, Maja ist Bulgarin. Seine Traurigkeit ob dem Verlust der antiken Waffen hat mich berührt, so dass ich ihm kurzerhand meinen Offiziersdolch geschenkt habe, damit er doch noch etwas hat. Das hätte er nicht erwartet und er hat mich mit Tränen in den Augen heftig umarmt. Nicht unerwähnt bleiben darf die Fürsorge, mit der ich umgeben bin. Gestern stand ein Teller mit Wassermelonenstücken auf dem Tisch und heute bringt Maja gefüllte Crepes.

Die Unterhaltsarbeiten am Schiff sind noch nicht weit gediehen, aber Gut Ding will Weile haben. Das Schiff ist aussen geschrubbt und innen habe ich 3 Stunden „gedysont“. Morgen werden an beiden Hauptmotoren Oelwechsel gemacht, der Preis ist in etwa so hoch, wie ich für den Oelwechsel am Generator bezahlt habe. Morgen muss ich das Schiff umparkieren. Etwa 10 Meter vom Ufer den Anker werfen und dann rückwärts anlegen, denn es sind 1 oder 2 Schiffe angekündigt, die hier anlegen wollen. Ich könnte mir vorstellen, dass es sich um die Mrs. Ippi und die Cestlavie handelt. Dann würde es sich um Bekannte handeln. Die Mrs. Ippi ist ein Segelboot, das den Heimathafen Maasholm hat und wir sind ihm in Kehlheim zum ersten Mal begegnet und dann hie und da wieder. Wir werden sehen. Für morgen hat Nicolay auch versprochen, sich um das Boot zu kümmern, und nicht nur morgen, sondern die zukünftigen Tage.