Leider müssen wir feststellen, in der Marina läuft wenig bis nichts. (was uns ja nicht stört) aber die Restaurants haben sehr wenig Gäste, so geniessen wir hin und wieder einen „Gutenachttrunk“ im Cafe Berlin. Die Gerantin, eine Berlinerin mit Namen Andrea, ist eine von denjenigen, die nicht über die Ägypter und das Land schimpfen, sondern versucht das Positive zu sehen, das Beste zu machen und die Menschen, nach Möglichkeit in ihren Eigenheiten leben lässt. Sie hat uns einiges über Bräuche und Sitten, sowie ihre Erfahrungen erzählt. Wir haben gestaunt und versuchen das Eine oder Andere in unsere Berichte einzubauen.
Gestern Sonntag, 28. Juni waren wir im „Sonntagverkauf“. Hier der Beweis, dass wir gesund leben. Wir kauften ein, 1 Wassermelone, 3 Pfirsiche, 1 Trotsch Trauben, 2 Orangen, 8 Feigen, 10 Pflaumen, 6 Äpfel, 2 Auberginen, 4 Karotten, 4 Gurken und 8 Tomaten. Die Trauben, die Orangen und die Pfirsiche wollten wir eigentlich nicht, die gabs als Zugabe, weil wir offensichtlich zu wenig „gmärtet“ haben. Aber bei einem Preis von Fr. 11.50 für alles, kann man ja eh nichts sagen und die Händler sollte man unterstützen, denn sie sind ein Teil des sozialen Netzwerkes.
Ägypten kennt keinen Sozialdienst, der diesen Namen verdient. Hier schauen die Familien, die Nachbarn oder ganze Strassen für einander. Die Gemüse- und Früchtehändler haben oft auf dem „Trottoir“, sowie erhöht ihre Angebote. Beim Angebot unten handelt es sich um Ware, die nicht 1. Qualität ist, keinesfalls aber um Ware, die schlecht oder faul ist. Die Armen dürfen dieses Gemüse oder die Früchte gratis nehmen oder einen Betrag dafür bezahlen, den sie im Stande sind.
Kann sich jemand in der Strasse, oder im Quartier ein Auto leisten, so feiert die ganze Nachbarschft dieses Ereignis. Wer dann mal eine Transportmöglichkeit braucht, wird dann auch gerne chauffiert.
Die Mädchen entscheiden mit 10 Jahren wie sie sich kleiden wollen. So wird uns gesagt, wieviel Zwang, sei es vom Koran oder der Eltern, dahinter ist, können wir nicht abschätzen. Die volle Verkleidung sagt aber nichts darüber aus, was darunter getragen wird. Auch da gibt es Geschichten. Wenn wir durch die Einkaufsstrasse bummeln und die entsprechenden Geschäfte sehen, so sind wir geneigt, diesen Gerüchten zu glauben. Es soll durchaus auch Männer geben, die ihre Frauen lieber ohne Kopftuch und Ganzkörperbekleidung haben möchten, doch die Frauen würden sich ohne nackt fühlen. Auf jeden Fall, die Menschen hier sind körperlich sehr sauber. „Dufte“ Menschen sind uns noch keine begegnet.
Sonne und Wind nehmen an Stärke zu. Der Sommer hält Einzug. Wir beschliessen, „Dächlichappen“ zu kaufen. Aber wir möchten nicht einfach so kaufen, sondern diese besticken lassen mit MY MADNESS. Das ist hier kein Problem, es ist nur eine Preisfrage. Wenn es ums „märten“ geht, dann ist Verena top. Wir bekommen diese Dächlichappe auf morgen 15 Uhr versprochen.
Am Nachmittag geht es ins Büro für Kontakte hier in der Marina. Daniela wollen wir fragen, wie es aussieht mit einer Tagesfahrt mit einem Touristenboot. Sie kennt die Preise nicht, fragt per Telefon an und teilt sie uns mit. Sie meint, wir sollen doch morgen um 09 Uhr zu den Anlegestellen und dort fragen, das sei sicher günstiger.
Dienstag Morgen gehen wir zu diesen Anlegestellen. Da ist leider gar nichts zu machen, wir müssen über einen Agenten buchen. Wir überlegen uns die Investition. Am Nachmittag geht Kurt, wie vereinbart auf 15 Uhr zum „Sticker“. Es ist erst eine Kappe fertig und er vertröstet ihn auf eine Stunde. Zeit genug um im nahen Golf Hotel mit unseren Nachbarn, die jeden Tag um diese Zeit sich dort aufhalten, etwas zu trinken und über Gott und die Welt zu diskutieren, vor allem aber über die neuesten Entwicklungen. Der Sudan hat gegenüber Ägypten die Grenze geschlossen. Der Suez Kanal war infolge des Attentates auf den Generalstaatsanwalt während einem Tag geschlossen. Nachdem der IS vor etwas mehr als einem Monat aufgerufen hat, die obersten Richter und Staatsanwälte zu ermorden, sinkt unser Vertrauen in die Ägyptischen Sicherheitsvorkehrungen. Wenn sie nicht in der Lage sind eine einzelne Person zu schützen, wie wollen sie dann eine ganze Ferienanlage schützen. Anscheinend macht sich unter der ausländischen Bevölkerung hier (unser Nachbar hat mit dem Konsulat oft Kontakt) eine Unsicherheit breit und nicht wenige versuchen ihre Häuser oder Wohnungen hier zu verkaufen. Angst haben wir nicht, aber wir beobachten mit erhöhter Aufmerksamkeit die Entwicklung. Um 16 gehts nochmals zum Sticker und die bestickten Mützen sind fertig.
Verena übernimmt heute den Küchendienst. Wir essen nach Sonnenuntergang (das hat nichts mit Ramadan zu tun) auf der Fly. Es gibt Kartoffeln, Karotten und Barrakudafisch an feiner Zitronensauce. Dazu trinken wir einen kühlen Rosewein. Ein Festessen.
Nun es hat wiederum mehrere Anschläge, im Sinai sogar grosse Anschläge auf Militär- und Polizeiposten gegeben. Die Abstände zwischen den Anschlägen werden immer kürzer. Wir werden nun gewisse Vorkehrungen treffen, wie unsere Wasser- und Lebensmittelvorräte immer für eine Woche bereit halten. In dieser Zeit würden wir das Mittelmeer erreichen und der Suez Kanal, als internationale Wasserstrasse und Haupteinnahmequelle des Staates dürfte auch bei Unruhen noch lange in Betrieb bleiben.
Heute Mittwoch, 01. Juli flanieren wir etwas in der Stadt und sehen uns einige Geschäfte an. Da werden nebst Souvenirs aller Arten, auch viel „Ramsch“ angeboten, natürlich immer mit „good price“. Zum Nachtessen kehren wir aufs Schiff zurück und Kurt versucht ein Nachtessen zu zubereiten. Zum Glück hat es noch Kartoffeln und Karotten von gestern. Die werden gebraten, dazu gibt es gebratenes Corned Beef und ein Tomaten- Gurken- Auberginensalat.
Um 20 Uhr gehts Richtung Kontaktbüro, denn wir haben uns entschlossen für Samstag den Schnorchelausflug zu buchen. Ein junger Mann sitzt dort, nimmt unsere Wünsche entgegen und meint, er werde das alles an Daniela weiterleiten, sie werde das erledigen. Sie sei dann Morgen von 10 bis 15 Uhr anwesend. Auf dem Rückweg machen wir noch im Cafe Berlin, bei Andrea einen Zwischenstop. Sie ist ja in Sachen Leben in Ägypten unser Quell des Wissens und wir fragen sie, was es mit den getrockneten Datteln auf sich hat. Also die Ägypter essen diese so getrocknet (dazu braucht es aber sehr gute Zähne) oder weichen sie in Milch oder Wasser mit Zucker ein. Es gibt dann da noch einige Zutaten, die dazu gehören. Das wollen wir aber genau wissen. Sie geht Ihren „Chef“ fragen und nach kurzer Zeit erscheint sie mit einem Glas und 2 Löffeln und darin ist die sehr nahrhafte Zusammensetzung. So haben wir das natürlich nicht gemeint. Nebst den Datteln werden noch Bananen dazugemixt, oder kleingeschnitten beigegeben. Es ist echt lecker, aber eine Kalorienbombe, vor allem aber ist es einfach zu machen und zudem sehr gesund. Wir denken, das werden wir uns hin und wieder zubereiten..
Donnerstag, 3. Juli. Bevor wir zum Schwereinkauf laufen, gehen wir im Marinebüro, bei Daniela vorbei um sicher zu sein, dass unsere Buchung bei ihr angekommen ist. Sie weiss von nichts, also lassen wir sie buchen und nach der Bestätigung (wir können am Telefon mithören) wissen wir, dass der Samstag klar ist. Dann gehts zum Einkauf. Waschmittel, Dosen und anderweitiger Vorrat kaufen wir bei Metro. Dazu gibt es wieder den strammen Fussmasch in das 3 Kilometer entfernte Geschäft. Zurück nehmen wir ein Taxi, denn der Einkauf wiegt schwer, auch wenn der Geldbeutel leichter geworden ist. Wir haben uns aber noch etwas geleistet, denn schon beim letzten Einkauf bei Metro haben wir gluschtig aussehende gegrillte Poulets gesehen und damit ist das heutige Nachtessen klar. Dazu gibt es noch gefüllte Weinblätter und Tomatensalat. Bevor wir uns aber diesem Schmaus hingeben können, müssen wir noch Mineralwasser bunkern. Wir kaufen 108 Liter Mineralwasser hier in der Marina und bringen diese mit 2 Einkaufswagen und der spontanen Hilfe eines jungen Verkäufers zum Schiff. Um die Hilfe sind wir sehr froh, denn diese Wagen scheinen mit einer „Dauerbremse“ versehen zu sein.

Mit dem restlichen Vorrat kommen wir auf 125 Liter. Das reicht für einige Tage, auch wenn wir jetzt immer dafür sorgen müssen, dass wir ständig 80 Liter an Bord haben. Das Brauchwasser lassen wir auch nicht mehr unter 1’000 Liter fallen, bevor wir es wieder auf 3,2 Tonnen füllen. Diesel haben wir noch genug um bis nach Zypern oder Israel zu fahren. Das wird sich auch nicht ändern, wenn wir wie geplant nach Eilat, Aqaba und Sharm-El-Sheikh fahren, bevor es wie ursprünglich geplant im Spätherbst ins Mittelmeer zurück geht.
Heute Freitag ist es wiedereinmal ein gemässigter Prediger, den wir über die Lautsprecher hören müssen. Engagiert zwar, aber nicht mit sich überschlagender Stimme. Im Zuge unserer „allgemeinen“ Vorbereitungen haben wir heute das Beiboot aufs Schiff genommen. Es war bereits mit Seepocken und 15 cm langen Algen „gespickt“. Die Reinigung, eher etwas mühsam benötigte einiges an Zeit und Kraft.
Der heutige Tag war auch ein Tag der Nachbarn. Heinz und Imke haben uns 2 Broschüren vom Roten Meer gegeben, in denen Berichte von Ihnen sind. Das gibt natürlich Anlass zu Gesprächen und wir verabreden uns zu einem grossen und langen Bier zu treffen. Das Nachbarboot, das Mustafa, einem Flugkapitän gehört ist heute für einen Tag ausgelaufen. Nicht ohne dass er sich bei uns für seinen „Bootsjungen“ namens Hassan entschuldigt, der am Vorabend um 23 Uhr noch einen Motorentest durchgeführt und oelhaltiges Bilgenwasser einfach über Bord geworfen hat.

Nun, Kurt hat Mustafa erklärt, dass wir Gäste in diesem Land sind und zu akzeptieren haben, wenn es mal etwas lärmiger ist, dies uns aber nicht stört. (Wir kennen Sachen, die uns wesentlich mehr stören) Wir sind nicht erstaunt, dass es keine Demonstrationen oder Ausschreitungen nach dem Freitagsgebet gegeben hat. Es ist wirklich hart, wenn man von 02.00 Uhr bis 19.00 Uhr nichts essen und nichts trinken darf. Auf die Dauer schwächt das. Also wenn, wird es eher bis nach Ramadan gehen, sollte es wirklich zu Ausschreitungen kommen. Anschläge allerdings sind leider immer möglich.
Samstag, 4. Juli, es steht der Ausflug mit dem Touristenschiff an, zur Insel Giftun. Pünktlich 08.45 stehen wir vor dem Schiff und bezahlen die Fahrt. Wir bezahlen je 44 US$ und andere bezahlen 50 US$. Wir haben direkt bei Mahmya, dem Anbieter buchen lassen. Also wissen wir, was die Agenten pro Buchung bekommen. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde, dann werden wir von einer Feluke abgeholt, da das grössere Boot ausserhalb festmachen muss.
Auf der Insel finden wir praktisch weissen, feinen Sand und Natursonnenschirme mit Matten darunter. Die andern Gäste gehen zum Empfang der Schnorchelausrüstung, wir haben unsere dabei. Auf den Ausflug zu einem andern Riff, der nur 1 Stunde dauert, verzichten wir, dafür haben wir die Riffs für uns allein. Es ist erstaunlich, welche Vielfalt an Fischen es gibt und wie ungestört dass sie sich fühlen, da ist doch tagtäglich Betrieb.

Wir geniessen auch einen Strandmarsch, den wir sonst ja nicht haben. Mahmya hat auf der Südspitze der Insel so etwas wie ein kleines Resort aufgebaut und pflegt dies gut. Der Preis ist also gerechtfertigt. Hätten wir noch ein Mittagessen mitgebucht, dann wären das für uns beide 66 US$ gewesen, da wir aber eh nie ein Mittagessen einnehmen, konnten wir verzichten. Wir haben einige trockene Datteln, Aprikosen und Verena noch 2 bis 3 Sandsturmguetzli gegessen. Das sind die Gesunden! Wir hören die Familie, die sich 2 Reihen neben uns niedergelassen hat, sprechen. Zuerst meinten wir es seien „Ausländer“, merken dann jedoch, (vielleicht hören wir nicht mehr so gut) dass es sich um Walliser handelt. Wir kommen auf der Rückfahrt ins Gespräch, eine symphatische Familie, Katja, Manfred mit Neo und Zoe.
Nach dem Duschen sitzen wir noch etwas auf der Fly. Verena skypt mit Andrea und Kurt geht sich die neuen Hosen anziehen, denn er hat Verena versprochen, wenn wir zum Fondue-Essen gehen, dann zieht er die neuen Hosen an. (und trägt nicht immer diese verwaschenen alten Hosen). Das Fondue im Stone war echt gut und wir haben heute zweimal etwas Heimatluft gerochen. Trotzdem, Heimweh kommt nicht auf.